Zecken - gefährliche Quälgeister für den Hund
Von Tierarzt Michael Schneider
Die Zecke, die von Anfang März ( aktiv ab 7º Grad Celsius ) bis zum Herbst den Hund als ungebetenen Gast heimsucht, gehört zu der Familie der Schildzecken und nur der „gemeine Holzbock” (Ixodes ricinus) und die braune Hundezecke (Rhiphicephalus sanguineus) sind in Deutschland von Bedeutung.
Zecken haben keine Augen, dafür aber sehr gut ausgebildete Geruchsorgane, mit deren Hilfe sie von Gräsern und niedrigeren Sträuchern aus vorbeikommenden Hunden auflauern und dann aktiv auf das vorbeikommende Tier springen. Auch die Körperwärme spielt dabei eine Rolle. Zecken sind dabei sehr ausdauernd und können es im erwachsenen Stadium bis zu
18 (!) Jahre ohne Frischblutzufuhr aushalten. Wollen sie herausfinden, ob in ihrem Garten Zecken auf sie und ihren Hund warten, dann nehmen sie ein helles, gebrauchtes Handtuch und ziehen es über den Boden.
Hat die Zecke einen Wirt gefunden, dann bohrt sie, nach einer kurzen Wanderung über den Wirtskörper, aktiv ihren mit Widerhaken ausgestatteten Saugrüssel durch die Haut, wobei sie dabei gut durchblutete, warme Körperteile bevorzugt. Anfangs injiziert sie eine schmerz-stillende Substanz, so dass der Stich unbemerkt bleibt und zugleich sondert sie eine weitere Substanz ab, mit der sie sich fest auf dem Hund verankert. Erst später wird für den Wirt ein Juckreiz bemerkbar.
Vier bis sechs Stunden danach beginnt der Saugvorgang, der mehrere Tage dauert und die Zecke bis Erbsengröße anschwellen lässt. Dabei wird ständig Speichel zur Verflüssigung des Blutes injiziert, mit dem zwei gefährliche Krankheiten auf den Hund übertragen kann.
Die Borreliose (auch Lyme - Disease genannt) ist eine bakterielle Erkrankung, kommt in ganz Deutschland vor und wird durch das Bakterium Borrelia ausgelöst. In Deutschland kommen die verschiedenen Borrelienarten in Zecken zwischen 5 % und 40 % vor (z. B. in den Isarauen sind 33,8 % der Zecken infiziert). Die Zecken übertragen die Borreliose mit ihrem Speichel ungefähr 24 Stunden nach dem 1. Biss. Anfangs ist selten ein diffuser roter Fleck um die Einstichstelle sichtbar, der nach einiger Zeit wieder verschwindet. Nach einigen Monaten, die Bakterien haben sich in der Zwischenzeit im Blut vermehrt, führen sie beim Hund neben allgemeinen unspezifischen Symptomen - Fieber, Mattigkeit, Futterverweigerung - besonders zu Gelenkserkrankungen mit wechselseitigen Lahmheiten, Herz- und Nierenentzündungen, Nervenerkrankungen und Hautveränderungen. Eine frühzeitige Erkennung der Erkrankung ist wichtig (Nachweis über Blutuntersuchungen), weil die Krankheit im frühen Stadium gut mit Antibiotikum behandelbar ist. Vorbeugend können Hunde gegen die Borreliose geimpft werden, wobei der Impfschutz nur ein halbes Jahr anhält. Ich empfehle deshalb Ende Februar, Anfang März Hunde dagegen zu impfen. Für Katzen (auch für Menschen) gibt es zur Zeit noch keinen Impfstoff. In Deutschland gibt es jährlich circa 20.000 Fälle von Borreliose beim Menschen.
Die FSME (Frühsommermeningoenzephalitis) konnte bisher nur in bestimmten Gebieten Deutschland und Österreichs (Isarauen, Donauauen) nachgewiesen werden, breitet sich aber zunehmend entlang der Flussläufe (Donau, Isar, Lech) aus. Hierbei handelt es sich um eine durch ein Virus ausgelöste Hirnhautentzündung, die vor allem für den Menschen gefährlich ist - aber auch Hunde kann es treffen. Die Katze scheint nicht befallen zu werden. Neben Bewusstseinsstörungen findet man bei dieser Krankheit meist neurologische Symptome und Fieber. Gegen die FSME ist nur beim Menschen eine Schutzimpfung möglich. Trotz Impfung gibt es in Deutschland circa 300 Fälle von erkrankten Menschen.
Vorbeugung:
Zur Vermeidung eines Zeckenbefalls kann der Tierbesitzer abweisende Mittel auf die Haut seines Tieres auftragen. Für Hunde empfehle ich die Wirkstoffe Permethrin oder Fipronil,
die punktuell auf die Haut aufgetragen werden und sich innerhalb eines Tages über die ganze Körperoberfläche verteilen. Der Wirkstoff (sowohl Permethrin als auch Fipronil) ist für Hund und Mensch ungiftig, wird in den oberen Hautschichten eingelagert und gelangt im Gegensatz zu Zeckenhalsbändern (Wirkung nur circa eine Woche) nicht in den Blutkreislauf, wodurch eine Belastung der inneren Organe vermieden wird. Das Antizeckenmittel hat eine lange Wirksamkeit und muss alle 6 - 8 Wochen erneut aufgetragen werden (eventuell alle 14 Tage, wenn der Hund viel ins Wasser geht). Der behandelte Hund strömt während dieser Zeit einen Geruch aus, den die Zecken nicht mögen. Permethrin und Fipronil sind somit Abwehrmittel gegen Zeckenbefall und helfen nicht gegen bereits festsitzende Zecken.
Findet man auf dem Hund eine bereits festsitzende Zecke, bitte auf keinen Fall die Zecke mit alten Hausmitteln, wie Uhu, Öl, Nagellack, Aceton oder Ähnlichem beträufeln, denn dadurch stirbt die Zecke ab und der Kopf der Zecke bleibt immer stecken. Dies führt zwangsläufig zu einer Entzündung. Das gleiche gilt für die Entfernung mit der bloßen Hand. Am besten entfernt der Tierbesitzer die Zecke mit einer Zeckenzange oder Zeckenkarte - mit der Zange die Zecke am besten zwischen Kopf und Körper fassen und gegen den Uhrzeigersinn drehen - mit der Karte flach über die Haut fahren. Je eher die Zecke entfernt wird, desto besser für den Hund und seine Gesundheit.
Michael Schneider
prakt. Tierarzt
Burglachbergstr. 6
86972 Altenstadt
Tel.: 08861 / 240878
Michael Schneider ist 44 Jahre alt und stammt aus Weiden in der Oberpfalz. 1983 absolvierte er sein Abitur, anschließend leistete er 16 Monate Zivilidienst in der Sozialstation des BRK Weiden. Von 1984 - 1990 studierte Michael Schneider Tiermedizin an der LMU in München, von 1991 - 1999 war er als Assistent in verschiedenen tierärtzlichen Praxen (Kleintier - und Gemischtpraxen) in Bayern und Baden-Württemberg tätig. Im Jahr 2000 hat er sich als praktischer Tierarzt in Altenstadt bei Schongau niedergelassen und ist seit dieser Zeit in eigener Praxis tätig. Der Praxisschwerpunkt ist die ambulante Behandlung von Kleintieren, Heimtieren, Vögeln und Reptilien (seit diesem Jahr) inklusive Hausbesuche, aber auch die ambulante Behandlung von Großtieren (Pferde und Rinder).







Sehr guter Bericht.
Kann eine Impfung beim Hund nur dringend Empfehlen.
Mein Pflegehund Alessa hatte eine schwere Nervenentzündung im Gesicht und sehr schlechte Nierenwerte.
Das ganze wurde auf Zecken die Sie hatte zurückgeführt. Das die Krankheit leider erst von der dritten Tierärztin erkannt und richtig gehandelt wurde, war es leider zu spät und sie mußte von ihren Leiden erlöst werden. Sie hat am letzten Tag sehr gelitten.
Das soll kein Hund erleben.
Deswegen Impfen lassen.
die Imfpung gegen Zecken ist ja von Tierarzt zu Tierarzt ein wenig umstritten. Ich selbst bin immer wieder im Zweifel ob ich die Impfung machen soll da wir a. im Outback sprich im Wald wohnen und b. einen Katzensprung von den Isarauen entfernt sind.
Momentan benutze ich für meinen 11 Monatigen Labrador Rüden Frontline - was allerdings - da er eine ausgesprochene Wasserratte ist momentan nicht so herhält.
Hat jemand schon mal mit den Imfpungen schlechte Erfahrungen gemacht ?!
Danke
Sabine
Super Kommentar aber ich habe mit meiner Tierärztin die Erfahrung gemacht, dass sie von der Imfpung für meinen 11 monatigen Labrador Rüden abgeraten hat.
Leider bin ich mir auch etwas unsicher ob oder ob nicht zumal wir im Outback sprich im Wald wohnen und nur einen Katzensprung zu den Isarauen haben.
Aktuell nehme ich Frontline was allerdings bei der Wassesrratte nicht wirklich funktioniert.
Hat jemand schon mal negative Erfahrungen mit der Impfung gemacht und in welchem Bezug ?
danke
Sabine
Wie ein aufmerksamer Gast (http://www.tierfreunde.de/forum/index.php?showtopic=3664) bemerkt hat, stecken in diesem Artikel leider einige Fehler. Auch ich sehe es kritisch, wenn Permethrin und Fipronil als ungiftig (für Mensch und Hund) angesprochen werden, da beide Substanzen auch bei diesen Spezies neurotoxisch wirken! Zu systhemischen Auswirkungen scheint es aber selten zu kommen, da Mensch und Hund den Wirkstoff recht schnell abbauen, aber ausgeschlossen werden können sie nicht. Vom Fipronil werden beispielsweise bis zu 5% resorbiert, gelangen also doch in den Stoffwechsel. Die Halbwertszeit (die Zeit, in der die Hälfte des Wirkstoffes abgebaut ist) wird mit bis zu 10 Tagen angegeben. Wenn man das Präparat alle 14 Tage anwendet, kommt dann schon einiges zusammen. Nicht umsonst steht auf der Packung eines Fipronil-haltigen Spot ons als mögliche Nebenwirkung u.a. “neurologische Erscheinungen”. Beim Permethrin hängt die Toxizität sehr vom Lösungsmittel ab. Kleinere Hunde reagieren auf diesen Wirkstoff nicht selten mit Paraaesthesien! Mir persönlich ist ein Fall bekannt, bei dem ein Mittelschnauzer nach sachgemäßer Anwendung mit neurologischen Ausfallerscheinungen, die fast einen Tag anhielten, reagierte.
Wichtig ist für mich noch der Hinweis, dass Permethrin für Katzen, Reptilien, Fische und Bienen, Fipronil für Hühnervögel, Kaninchen und Igel extrem giftig sind! Permethrin wirkt zudem bei Nagern möglicherweise karzinogen.
Bezüglich der Impfung gegen Borreliose ist zu sagen, dass nach korrekt durchgeführter Grundimmunisierung ein schützender Titer über den Zeitraum von einem Jahr und nicht wie angegeben von 6 Monaten besteht (mündlich Mitteilung Dr.Greiner, Fa.Merial).
LG
Zur Impfung gegen Borreliose :
Der Impfschutz von einem Jahr ist nur gewährleistet, wenn drei Impfungen im Abstand von 6 Monaten durchgeführt werde, d.h. ich muss meinen Hund auch im Herbst/Winter gegen Borreliose impfen lassen, wenn es überhaupt keine Zecken gibt!
Zum Permetrin:
Ich weiß, dass Permethrin für andere Tierarten giftig ist und empfehle nur die Spot -on Formulierung einer bestimmten Firma für Hunde ( Produktnamen darf ich nicht veröffentlichen). Trotzdem werden in jedem Tierhandel Zeckenhalsbänder mit Permethrin als Wirkstoff für Hunde und Katzen (!) verkauft. Ich hatte sogar schon einmal den Fall einer Katze mit Permethrinvergiftung, nachdem die Besitzerin das Fell und die Haut mit einer Permethrinhaltigen Lösung eingerieben hatte. Die Lösung stammte aus dem Internet und ist laut Herstelller für Tiere (genaue Spezies waren keine aufgeführt!) zur Abwehr von Flöhen und Zecken.
Zum Fipronil :
Jedes Medikament hat Nebenwirkungen und es wird immer Tiere mit Unverträglichkeiten geben, aber Fipronil ist das Mittel, das mit Abstand am Besten vertragen wird und wirksam ist.
Außerdem für Hunde und Katzen giftig sind “Antiparasitika” mit dem pflanzlichen Wirkstoff aus Chrysanthemen - wird zum Teil immer noch verkauft! Genauso wie Zwiebeln und Knoblauch giftig sind - verursachen Anämien!
Jede Impfung sollte wenn irgend möglich erfolgen, bevor der Impfling mit dem Erreger in Kontakt kommt, da ein Impfschutz nicht sofort nach dem Pieks besteht, sondern erst aufgebaut werden muss. Das ist bei der Impfung gegen Borreliose nicht anders. Laut Hersteller wird bei dieser Impfung der belastbarste Impfschutz aufgebaut, wenn im Frühjahr (möglichst vor der Zeckensaison) zweimal im Abstand von 3-5 Wochen geimpft wird, eine dritte Impfung sollte dann nach 4-6 Monaten erfolgen (wir sind also immer noch in der Jahreszeit, in der die Zecken aktiv sind). Nach weiteren 4-6 Monaten erfolgt eine weitere Auffrischung, die dann nur noch jährlich erfolgen muss. Diese Information ist in einer kleinen Broschüre erhältlich, die man beim TA bekommen kann.
Was mich aber wirklich irritiert, ist der Hinweis, dass permethrinhaltige Mittel im Zoogeschäft zu haben wären. Irre ich mich da derart, aber ich bin der Meinung, dass Permethrin apothekenpflichtig ist. Dann würde ein Verkauf im Zoohandel gegen das AMG verstossen.
Zum Thema Borreliose und Impfung wurde schon im Forum diskutiert: http://www.tierfreunde.de/forum/index.php?showtopic=1973&st=60&start=60
Ich bin bei den Angaben des Herstellers immer vorsichtig, schließlich wollen die einfach nur ihr Produkt verkaufen. Erfahrungswerte sollten mehr Gewicht haben.
Ich gebe dir recht, Niki. Nur halte ich in diesem Fall den Impfstoffhersteller für kompetenter als einen niedergelassenen Tierarzt. Bevor ein Impfstoff vom Paul-Ehrlich-Institut oder der European Medicines Agency zugelassen wird, werden die Angaben des Herstellers sehr genau überprüft, das dauert Monate. Wird ein Fehler gefunden, wird der Impfstoff nicht zugelassen und das Pharmaunternehmen hätte Unsummen in den Sand gesetzt! Die empfohlenen Impfintervalle werden bei der Zulassung bestimmt. Wie sollte denn ein Praktischer Tierarzt zu fundierten Erkenntnissen kommen, die ihn berechtigterweise dazu veranlassen, das vorgegebene Impfschema abzuändern? Wenn der Hersteller das tun zu müssen glaubt, muss er das vor oben genannten Instituten begründen, damit diese die Impfempfehlung dann möglicherweise ändern.
Als Hauptursache dafür, dass nach einer Impfung keine ausreichende Immunität aufgebaut wird, gilt übrigens die nicht korrekt durchgeführte Impfung, wozu auch ein fehlerhafter Impfzeitpunkt gehört!