Was ist eine Impfung?

Warum wird geimpft?
Im Zuge der Schweinegrippe ist die Impfproblematik zurzeit in aller Munde. Auch unsere Haustiere sollten nach herrschender Meinung geimpft
werden. Bei diesem Thema gehen die Meinungen auseinander - im Forum - (Un)Sinn der Impfung - haben auch die Tierfreunde darüber schon ausgiebig diskutiert.
Doch was passiert eigentlich bei einer Impfung, warum wird geimpft, welche Impfkomplikationen gibt es? Hier gibt es Antworten auf viele Fragen zu diesem Thema.
von Tierärztin Silvia Bsiso
Was sind die Primäraufgaben der Medizin?
Die wichtigste Aufgabe der Humanmedizin ist die Gesunderhaltung der Menschen, wobei man zwischen Prophylaxe (Vorbeugung) und Therapie (Behandlung) unterscheidet.
In der Tiermedizin wird unterschieden in
-Gesunderhaltung von Nutztieren, Heimtieren, Wildtieren,
-Zoonoseprophylaxe
Anthropozoonose (Übertragung von Krankheiten des Menschen auf das Tier)
Zooanthroponose (Übertragung von Tierkrankheiten auf den Menschen)
-wirtschaftliche Nutztierhaltung (Fruchtbarkeit, Gesundheit, Langlebigkeit)
-Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln tierischen Ursprungs (Milch, Eier, Fleisch, Fisch).
Welche Methoden stehen zur Bekämpfung von Tierseuchen zur Verfügung?
1. Sanitäts- und Veterinärpolizeiliche Maßnahmen (Tierseuchengesetz, Bundesseuchengesetz, Jagdgesetz, Lebensmittelgesetz)
2. Desinfektion und Sterilisation
3. Entwesung und Ungezieferbekämpfung
4. Haltungs- und Hygienemaßnahmen
5. Medikamentelle Behandlungen
6. Chemotherapie
7. Paramunisierung
8. Impfung
Warum impft man?
Grundsätzlich gilt: Richtiges Impfen verhindert Erkrankungen, Seuchen und Infektionswellen. Falsches Impfen kann Impfschäden, Impferkrankungen oder Impfdurchbrüche hervorrufen.
Was ist eine Impfung bzw. eine Immunisierung?
Unter einer Schutzimpfung versteht man den Vorgang einer künstlichen Immunisierung. Es wird ein spezifischer Schutz gegen bestimmte Krankheitserreger oder deren Toxine auf medikamenteller Basis erzeugt. Bei der aktiven Immunisierung erzeugt der Impfling nach Gabe des Antigens eine spezifische Immunität, indem er Antikörper und Immunzellen bildet. Einen Schutz durch bereits produzierte Antikörper (Impfserum) erhält der Impfling bei der passiven Immunisierung. Eine Simultanimpfung ist die Verabreichung von Antikörpern (passive Impfung) in enger zeitlicher Aufeinanderfolge mit dem entsprechenden Antigen (aktive Impfung). Sie stellt eine Notmaßnahme dar (Tetanus).
Die ersten Impfungen wurden bereits im alten China, in Zentralasien und Südamerika durch Beobachtung und Ausprobieren hergestellt.
Edward Jenner führte 1796 die erste aktive Schutzimpfung in Europa am Menschen durch, indem er Menschen mit dem Kuhpockenvirus infizierte und so eine Immunität gegenüber Menschenpocken erzeugte (heterotypische Impfung). Die Immunisierung kann aktiv oder passiv sein. Das Prinzip ist, dass verschiedene Erreger (Kuhpocken und Menschenpocken) gemeinsame immunisierende Antigene erzeugen.
Was muss man bei Impfungen berücksichtigen?
Es müssen verschiedene Faktoren abgewägt werden: Besteht die Notwendigkeit einer Impfung, beispielsweise wegen gesetzlicher
Vorschriften (Impfpflicht oder Impfverbot)? Ist die Impfung wirksam? Tetanus hat zum Beispiel eine sehr gute Wirksamkeit über mehrere Jahre. Diese Impfung ist bei Pferden dringend nötig, bei Katzen in der Regel überflüssig, da Fleischfresser nur in Ausnahmefällen an Tetanus erkranken.
Kontraindikationen müssen berücksichtigt werden. Das können folgende Punkte sein: Besteht eine Gefahr während der Trächtigkeit für das
Muttertier oder den Fetus? Nach einem Biss durch ein tollwütiges Tier besteht die Indikation für eine Notimpfung beim Menschen, während ein
Impfverbot für ungeimpfte Tiere besteht. Nicht zuletzt sollten Nebenwirkungen einer Impfung abgeschätzt werden.
Außerdem muss die Art und Weise, wie die Impfung verabreicht werden soll, berücksichtigt werden - als Schluckimpfung, Injektion oder Aerosol. Auch die gesundheitliche Situation beim Impfling ist relevant. Bedacht werden müssen der Impfkalender (Grundimmunisierung, Säuglingsimpfungen, keine Impfung bei Schwangeren), kalkulierbare Schäden durch Impfung und die Kombination von verschiedenen Impfungen (starke und schwache Immunitätsbildner). Beispiele sind:
- Katze: Katzenschnupfen, Katzenseuche, Tollwut
- Kaninchen: Myxomatose + RHD
- Pferd: Herpes (schwacher Immunitätsbildner), Tetanus (starker Immunitätsbildner)
Welche Impfkomplikationen gibt es?
Es gibt die Impferkrankung. Sie tritt vorwiegend bei Lebendimpfstoffen auf. Impf-Durchbrüche sind Fälle erregerspezifischer Erkrankungen beim Impfling, die durch mangelnde oder ungenügende Wirksamkeit des Impfstoffs bedingt sind. Impfschäden sind alle Gesundheitsschädigungen, die in ursächlichem oder wahrscheinlichem Zusammenhang mit der Impfung stehen und nichtunter Impferkrankung oder -Durchbruch fallen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Lebend- und einem Totimpfstoff?
Lebendimpfstoff: Ein abgeschwächter, unschädliches lebendes Virus wird geimpft (Kuhpocken).
Totimpfstoff: Ein abgetötetes Virus ruft beim Impfling eine Immunreaktion hervor. Es kommt zu keiner Ausscheidung, Vermehrung oder zu Interaktionen der Viren. Es besteht keine Gefahr einer Impferkrankung.
Was ist der Unterschied zwischen Einzel- und Kombinationsimpfungen?
Der Einzelimpfstoff wirkt nur gegen einen Erreger (Tetanus).
Kombinationsimpfstoffe: Mit einer Impfung wird gegen mehrere Krankheiten geimpft, wie beim Hund gegen Staupe, Hepatitis, Leptospirose, Parvovirose, Zwingerhusten, Tollwut.
Was sind Impfstoffzusätze?
Man unterscheidet Adjuvantien und Adsorbentien, Hilfsstoffe, Zusatzstoffe. Diese Stoffe können unter bestimmten Bedingungen Immunreaktionen quantitativ steigern und evtl. auch qualitativ verändern. Erstmals wurde dies bei einem Thyphusmischimpfstoff beobachtet. Die Komponente gegen Thyphus bildete sowohl Antikörper gegen die Thyphusantigene und steigerte zusätzlich die Wirkung gegen die in dem Kombinationsimpfstoff enthaltenen Diphtherie- und Tetanustoxoide.
Welche Funktionen haben Adjuvantien und welche gibt es?
Adsorbentien sollen eine Depotwirkung und Verteilung des Adjuvans bewirken. Aluminiumhydroxid, Lipopolysaccharide, Immunkomplexe, Latex, Betonit, Saponin haben die Aufgabe, die B-Zelle zu stimulieren und die Makrophagen zu aktivieren.. Mineralöle, Lipopolysaccharide, Polyanionen, Polyelektrolyte sollen akzessorische Zellen stimulieren, die Antigenaufnahme verstärken, Helferfaktoren produzieren, ebenso wie omplementkomponenten. Komplettes Freudsches Adjuvans stimuliert die T-Zellen. Interferon stimuliert die NK-Zellen (natural killer cells).
Was sind Zusatz- und Hilfsstoffe?
Diese Stoffe gewährleisten Stabilität und Haltbarkeit sowie eine gleichbleibende Wirkung, außerdem soll eine Verunreinigung mit mikrobiellen Erregern verhindert werden. Es handelt sich um Schutzkolloide, Stabilisatoren, Konservierungsstoffe, Lösungsvermittler, Suspensionsvermittler, pH-regulierende Stoffe, Entschäumer.







