Von Wolf zu Mensch

Günther Bloch mit Jasper.
Wenn Menschen sich am wölfischen Zusammenleben orientieren würden, gäbe es keine Lebensabschnittspartner, das Leben wäre monogam, und Emanzendebatten würden schlicht nicht existieren. Günther Bloch behauptet, dass wir Menschen uns viel von den Wölfen abschauen können.
Die Beziehung zwischen Mensch und Hund zu verbessern, ist ein Ziel von Bloch, der seit vielen Jahren das Verhalten von Wolf und Hund erforscht. In seinem neuen Buch “Auge in Auge mit dem Wolf - 20 Jahre unterwegs mit frei lebenden Wölfen” und in seinen Vorträgen quer durch die gesamte Republik erklärt er das Familienleben von frei lebenden Wölfen. Eine Mensch-Hund-Beziehung setzt Bloch gleich mit dem Eltern-Nachwuchs-Dominanzsystem in der Wolfsfamilie. “Hier geht es nicht um die Erziehung, sondern um den Aufbau einer Beziehung”, erklärt der Verhaltensforscher. Die Dominanz, die hier zum Tragen kommt, hat wenig gemein mit den dominanten Erziehungsmethoden, die in vielen Hundeschulen Anwendung finden.
Ein kleines Beispiel: Der junge Hund winselt, wenn er allein gelassen wird. Hier warnen Hundetrainer: “Nicht reagieren, sondern ignorieren, sonst fühlt sich der Hund positiv bestärkt in seinem Tun!” Bloch zeigt einen Filmausschnitt aus seiner 20-jährigen Forschungsarbeit mit wild lebenden Wölfen in Kanada: Jungwolf Mickey verliert auf der Jagd den Anschluss an seine Familie, setzt sich hin, winselt und heult. Jetzt tut Mama Wolf genau das, wovor der Hundetrainer warnt: Sie kommt sofort zu ihrem Nachwuchs - und bringt ihm sogar noch Futter mit! “Damit sind die Theorien der Hundetrainer ausgehebelt”, sagt Bloch nüchtern.
Beim Aufbau einer Beziehung und damit bei der Erziehung geht es in erster Linie um die Vermittlung von Schutz und Geborgenheit - genauso von Mensch zu Mensch. “Das Einüben von Ritualen ist dafür wichtig”, sagt Günther Bloch. Der Hund muss sein Herrchen einschätzen und es berechnen können, um sich geborgen zu fühlen. Nur so kann Vertrasuen aufgebaut werden.
“Vertrauen und Berechenbarkeit sind in der Wolfsfamilie wichtiger als der Rang.” Damit hebelt der Verhaltensforscher einen weiteren Grundsatz in der geltenden Hundetrainer-Meinung aus und belegt seine These natürlich mit Filmausschnitten. Günther Bloch kommt zu dem Schluss, dass wölfisches Sozialleben auch zum menschlichen Miteinander viel beitragen würde - wenn wir es uns bei den Wölfen abschauen würden.
Auge in Auge mit dem Wolf: 20 Jahre unterwegs mit frei lebenden Wölfen
von Günther Bloch (Autor), Peter A. Dettling (Fotos)
Preis: 24,90 Euro
Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
Verlag: Franckh-Kosmos Verlag; Auflage: 1 (1. April 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 344011452X
ISBN-13: 978-3440114520
no/Münchner Merkur






