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Problem-Paviane und Pleite-Tiger

pleiteErst verwahrlost, dann schwer vermittelbar: Jedes Jahr schließt in Deutschland mindestens ein Tierpark. Doch die Tiger, Paviane und Waschbären will dann kaum jemand haben. So wurden schon Löwen an eine Farm in Afrika verkauft, die Jagden für gutbetuchte Kundschaft anbietet.

Ein Bericht von Spiegel online

Ronny Schäfer träumte von einem eigenen Raubtier-Park, und als die Chance kam, griff er zu. Er sicherte sich einen Tierpark im nordrhein-westfälischen Kalletal. Hier rissen vier Tiger - Corty, Saskia, Sam und Shari - ihre Mäuler auf, hier kratzten sich zwei Schimpansen - Fritz und Friederike - das Fell.
Eine Unterschrift und schon war Schäfer Besitzer von rund zwei Dutzend exotischen Tieren - von Pavianen, Wölfen, Luchsen, Dingos, Waschbären, Tigern und Schimpansen. Und das, obwohl er keine Ahnung hatte. Keine Ahnung, wie der Alltag eines Zoos tatsächlich aussieht, wie er einen solchen Betrieb zu führen hat. Schäfer ist gelernter Schlachter. Mit seiner Frau betreibt er einen Futterhandel.
Schäfers Traum platzte.
Das zuständige Veterinäramt verweigerte ihm die Betriebserlaubnis, verfügte, dass die Tiere an neue Besitzer zu vermitteln seien. Doch damit wollte Schäfer sich nicht abfinden, wie er nun SPIEGEL TV Magazin erzählte (Sonntag, 22.30 Uhr, RTL): “Sie sagten, ich wäre nicht fähig, ein Raubtier zu halten. Da habe ich gesagt: ‘Dann füttert ihr die Tiere weiter. Ich bin nicht der Depp der Nation.’”
Schäfer klagte, die Tiger, die Affen, die Luchse, die Wölfe fraßen und Schäfer ging das Geld aus. Den Tierpark bot er sogar auf Ebay an. Es half nichts.
Schäfer sah keinen Ausweg mehr, schrieb ans Amt, drohte, die Tiere verhungern zu lassen, bat schließlich sogar darum, sie einschläfern zu dürfen. Das Amt beschlagnahmte die Tiere. Jeder Affe, jeder Tiger wurde jetzt zum Problem-Affen und Problem-Tiger: Wohin mit ihnen?
Weil Exoten Besucher anziehen, wollen auch kleine Zoos und Tierparks selten auf Affen, Tiger und Elefanten verzichten. Häufig jedoch übernehmen sie sich dabei. “Etwa jedes Jahr macht in Deutschland ein Tierpark dicht”, schätzt Laura Zimprich, Vorsitzende des Tierschutzvereins “Animal Public”.
Und das Problem könnte sich noch verschärfen. “Derzeit wird an neuen Vorgaben gearbeitet, die vorsehen, dass Zootieren in ihren Gehegen endlich mehr Platz zur Verfügung stehen wird”, so Zimprich. Die Folge dieses eigentlich löblichen Vorstoßes könnte aber sein, dass noch mehr Zoos geschlossen werden.
Bei der Auflösung solcher Tierparks, bei der Suche nach neuen Plätzen für die Tiere, haben die Exoten unter ihnen dann oft die schlechtesten Karten. Die Nachfrage nach der Konkursmasse ist gering.
Experten schätzen, dass in Europa Tausende Tiere betroffen sind. “Die meisten Zoos haben kein Interesse daran, solche aussortierten Exemplare aufzunehmen. Oft haben sie gar nicht den Platz dafür. Ein ausgewachsener Tiger ist ja keine Schildkröte”, sagt Zimprich. Außerdem produzierten die eigenen Tiere selbst so viel Nachwuchs, dass erst dieser vermittelt werden müsse. Bereits das sei schwer.
“Erst im vergangenen Herbst hat ein deutscher Safaripark Löwen nach Afrika verkauft, an eine Farm, die sich darauf spezialisiert hat, Jagden für zahlende Amerikaner und Briten anzubieten. Die sollen Tiere mit gepflegter Mähne zu sehen bekommen”, so Zimprich.
Ein weiterer Grund, warum andere Zoos und Tierparks den Exoten kein Asyl bieten: Häufig fügen sich die fremden, oft greisen Tiere nicht in die eigenen penibel abgestimmten Zuchtprogramme. So auch im Fall Kalletal: “Sie passen weder genetisch noch demographisch”, sagt Dr. Lesley Dickie, Geschäftsführerin des Europäischen Zoobands (EAZA), der solche Programme organisiert.
Außerdem gilt auch für Zoos und Tierparks: Sie sind Unternehmen. Sie sind auf Attraktionen angewiesen. Ein knuddeliger Knut begeistert die Massen, ein zotteliger Tiger erregt nur noch Mitleid. So sind es am Ende fast ausschließlich Tierschutzorganisationen, die die Exoten davor bewahren, getötet zu werden. Weltweit nutzen sie ihre Netzwerke, suchen nach Möglichkeiten, die Tiere doch noch in Reservaten oder privaten Stationen unterzubringen.
Auch die ausgewachsenen Exoten des Tierparks Kalletal sind noch unterkommen. Die beiden Schimpansen bei der privaten niederländischen Auffangstation “Aap”, die vier Tiger in einer der Station der niederländischen Organisation “Pantera”.

Elf Tiger verhungert

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Etwa 6000 Tiger leben in chinesischen Zoos in Gefangenschaft. Foto: dpa

Weil zwei Sibirische Tiger in einem Zoo im Nordosten Chinas einen Wärter anfielen, wurden ihre Artgenossen offenbar einer drakonischen Kollektivstrafe unterzogen.

In freier Wildbahn gibt es nur noch etwa 500 Sibirische Tiger, die majestätischen Raubtiere sind im äußersten Osten Russlands und den angrenzenden Gebieten Chinas beheimatet. Doch auch in Gefangenschaft muss die größte Katzenart der Welt ums Überleben kämpfen: In einem Privatzoo im Nordosten Chinas sind elf Sibirische Tiger aufgrund von Unterernährung und mangelndem Auslauf verendet.

Ein Bericht von www.sueddeutsche.de

Wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, bekamen die Tiger unter anderem aus Geldmangel seit Monaten nur noch Hühnerbeine zu fressen. Zudem wurden sie nicht mehr ins Freie gelassen.

Mit dieser Behandlung sollten die Tiere offenbar auch für eine Attacke auf einen Tierwärter im November bestraft werden: Zwei der Raubkatzen hatten den Mann angefallen und verletzt. Er überlebte - die Tiger wurden erschossen. Offenbar waren die Tiere bereits damals unterernährt und deswegen gefährlich.

Die katastrophalen Zustände in dem Zoo von Shenyang wurden vom Vizechef der dortigen Tierschutzbehörde aufgedeckt. In China gibt es etwa 200 private Zoos, die zum Teil unter chronischem Geldmangel leiden. Insgesamt werden in chinesischen Zoos rund 6000 Tiger in Gefangenschaft gehalten.

Nach dem Hungertod der auch Amurtiger genannten Raubkatzen bekommt der Zoo nun eine kräftige Finanzspritze. Neben einer Aufstockung der staatlichen Förderung um umgerechnet knapp 728.000 Euro leiteten die örtlichen Behörden jedoch auch eine Untersuchung der Missstände ein, wie staatliche Medien berichteten.

Neben den Sibirischen Tigern starben in dem Zoo noch 22 weitere, zum Teil vom Aussterben bedrohte Tiere: so beispielweise zwei Makaken (Meerkatzenart) und ein Braunbär.

(AFP/jobr/gal)


Das Innenleben von wilden Tieren

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Gunther von Hagens vor dem entstehenden Plastinat des Elefanten Samba. Copyright: Gunther von Hagens, Institut für Plastination, Heidelberg

Neunkirchen - Der umstrittene Wissenschaftler und Plastinator Gunther von Hagens ist zurück. Diesmal aber schaut er nicht dem Menschen, sondern den Giganten der Wildnis unter die Haut.

Es ist die erste reine Tier-Ausstellung des umstrittenen Plastinators Gunther von Hagens: “Körperwelten der Tiere” wird am 19. März im Zoo im saarländischen Neunkirchen eröffnet und widmet sich dem Innenleben von Tieren aus Steppe, Urwald und Ozean. Das teilten die Organisatoren am Freitag mit.

Erstmals seien zwei plastinierte Elefanten zu sehen. Die mehr als 3,2 Tonnen schwere Elefantenkuh “Samba” sei zudem “das gewaltigste Lebewesen, das je plastiniert wurde”, hieß es. Elefanten-Dame “Chiana” werde dagegen “in Scheibchen” zu sehen sein.
Auch Gorillas, Giraffen, Bären oder einen Strauß stellt Hagens als Plastinate aus.

Alle Einahmen kommen laut Veranstalter dem Neunkirchner Zoo zugute - als Gegenleistung dafür, dass von Hagens verstorbene Tiere des Zoos plastinieren durfte. Der Zoo will das Geld in die für 2011 geplante Raubtieranlage stecken. Sie soll Bären, Schneeleoparden, Sibirische Tiger, und später auch Asiatische Löwen beheimaten.

Pinguin-Dame Sandy ist verliebt in ihren Pfleger

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Ein Kuss für Sandy: Pfleger Peter Vollbracht mit dem Brillenpinguin-Weibchen. Foto: dpa

Münster ist bekannt für schräge Vögel. Da war diese Geschichte mit dem verliebten Trauerschwan Petra. Und jetzt, jetzt steht wieder ein verliebter Vogel im Mittelpunkt einer rührenden Geschichte: Pinguin-Dame Sandy hat ihr Herz an ihren Tierpfleger verloren.

Der Angebetete heißt Peter Vollbracht. An diesem kalten Novembermorgen steht er im Gehege und schaut auf die 82 Brillenpinguine, die sich dort tummeln. Sandy ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. „Manchmal ruft sie nach mir”, sagt er. „Das hört sich in etwa an wie bei einem Esel.” Vollbracht, 47, holt Luft: „Iaaaaa”, ruft er. „So ungefähr.”
Vollbrachts Ruf scheint die Pinguine nicht zu kümmern. Die Tiere, die meist monogam leben, haben gerade Brutzeit und stehen als Paare dicht beisammen. Plötzlich aber löst sich ein etwa 50 Zentimeter großes Tier aus der Masse und watschelt auf den Pfleger zu.

„Das ist Sandy”, sagt Vollbracht. Der Pinguin bleibt dicht neben ihm stehen. Vollbracht geht in die Hocke und setzt das Tier auf sein Knie. „Iaaaaa”, macht Sandy und reckt sich. „Damit will sie ihr Zusammengehörigkeitsgefühl zeigen”, sagt Vollbracht und streichelt Sandys Kopf. Die seltsame Geschichte zwischen der Pinguin-Dame und dem Pfleger begann schon 1996. Da kam Sandy als fünf Monate alter Pinguin aus dem Nürnberger Zoo nach Münster. Vollbracht kümmerte sich um das Tier, brachte ihm bei, selbstständig zu fressen. Dabei bemerkte er: Anders als die anderen Pinguine ließ Sandy sich gerne anfassen und von ihm aufs Knie setzen. „Anfangs fanden wir das lustig.” Was niemand ahnte: „Sandy sah in mir ihren Partner, eine Art Riesen-Pinguin.”

Von da an war Sandy ihrem Pfleger verfallen. War er in der Nähe, eilte sie herbei. Hielt er sich im Gehege auf, folgte sie ihm auf Schritt und Tritt. Die Pinguin-Männchen im Gehege waren Luft für sie. Warum das Tier sich so verhielt, weiß keiner so genau. „Wir können es nicht hundertprozentig erklären”, sagt Zoodirektor Jörg Adler. Ein Grund sei wohl, dass Vollbracht das Tier als Junges fütterte. „Konditionierungen von Tieren auf Menschen oder Gegenstände sind nicht ungewöhnlich. Ein Beispiel ist der Schwan auf dem Aasee.” Dem Zoo brachte die verliebte Pinguin-Dame eine Menge Publicity. Weil sie so zutraulich war, besuchte Vollbracht mit Sandy Kindergärten und Seniorenheime. Gemeinsam tourten sie durch Talkshows, waren Gast bei Kerner, Jauch und Co.

Rund zehn Jahre ging das so. Dann schien es, als ob aus Sandy ein „ganz normaler Pinguin” würde. Vollbracht erkrankte - und war zwei Monate nicht im Zoo. Plötzlich interessierte Sandy sich für einen Artgenossen - Pinguin-Männchen Tom. Mit ihm lebte sie fortan ein ganz normales Pinguin-Leben, in diesem Jahr bekamen die beiden sogar zwei Küken. Ihren „Ex” würdigte die Pinguin-Dame keines Blickes mehr.

Doch vor wenigen Wochen endete das Pinguin-Glück. Tom starb. Und Sandy war wieder allein. „Und auf einmal war ich wieder interessant”, sagt Vollbracht. Seit etwa drei Wochen kommt sie jetzt wieder angerannt, wenn er in ihrer Nähe ist. Für den Wandel hat Vollbracht eine einfache Erklärung: „Pinguinen geht es um die Arterhaltung. Sandy ist in Brutstimmung und will einen neuen Partner.”

Dass er jetzt als Notnagel für Tom herhalten muss, stört ihn nicht. „Wir können eh nichts dagegen machen.” Vollbracht sitzt jetzt neben dem Wasserbecken des Pinguin-Geheges und schaut zu, wie Sandy mit Artgenossen wie ein Pfeil durchs Wassers schießt. Obwohl ihm das anhängliche Tier sichtlich Freude bereitet, hofft er, dass es ihm bald wieder die kalte Schulter zeigt. „Bald ist die Brutzeit vorbei”, sagt er. „Es wäre schön, wenn Sandy sich im nächsten Jahr dann wieder in einen Pinguin verlieben würde.”

www.muensterschezeitung.de

Bär tötet Artgenossin

Brown bears

Syrische Braunbären im Wasser.

Stralsund - Es geschah aus heiterem Himmel und ohne jegliche Vorwarnung: Mit mächtigen Prankenhieben und Bissen hat Braunbär Balou am Samstagnachmittag im Stralsunder Tierpark seine Artgenossin Klara so lange traktiert, bis sie entkräftet am Boden des gemeinsamen Geheges starb.

Ein Bericht von WELT online

Die Attacke habe sich urplötzlich und vor zahlreichen Besuchern ereignet, berichtete Zoo-Chef Christoph Langner am Sonntag mit bedrückter Stimme - der bislang unerklärliche Vorfall habe Tierpfleger, Stadtverwaltung und Publikum schockiert. Denn nicht nur über die Gründe für den tödlichen Ausraster des zehn Jahre alten Balou herrscht noch Rätselraten. Er brachte mit der ein Jahr jüngeren Klara ausgerechnet die Bärendame um, die für ihn als Fortpflanzungspartnerin bestimmt war.


“Was da passierte, ist absolut tragisch und muss von uns erst mal verarbeitet werden”, sagte Langner. Das Bären-Pärchen, das sich im Laufe der vergangenen Monate erst langsam aneinander gewöhnt hatte, sollte langfristig den Braunbären-Nachwuchs im Tierpark der Hansestadt sichern. Zoogäste, die Augenzeugen des Angriffs wurden, hätten sofort die Tierparkleitung alarmiert. “Aber wir konnten nichts mehr tun.” Man habe versucht, Balou mit Knallfröschen und Feuerlöschern abzulenken. Doch es sei zu spät gewesen, um ihn durch eine Betäubung außer Gefecht zu setzen.

Nach Angaben von Stadtsprecher Peter Koslik waren die beiden Tiere die einzigen Exemplare ihrer Art in dem zoologischen Garten. Sie gehören zu bedrohten Syrischen Braunbären, die ein beigefarbenes Fell haben. In Deutschland wird diese Art nur in fünf Zoos gehalten, alle der bis zu 2,60 Meter großen Tiere sind in einem Europäischen Zuchtbuch registriert.

Balou wurde Ende 1998 in Goldau in der Schweiz geboren und war bis zum September vergangenen Jahres im südfranzösischen Montpellier zu Hause. Klara kam Anfang 2000 im thüringischen Gotha zur Welt. Beide Tiere trafen dann vor etwas mehr als einem Jahr im Stralsunder Bärengehege aufeinander. “In ihren ersten Monaten hier war Klara sehr zurückhaltend gegenüber Balou, im Frühjahr mussten wir sie für einige Zeit trennen”, meinte Langner. Später sei die Bärengattin in spe jedoch “sehr viel entspannter” geworden. Sie habe sich ungezwungen im Gehege bewegt, obwohl Balou stets der forschere Charakter gewesen sei. (dpa)

 

Die Attacke von Wildtieren bringt sicherlich wieder die Diskussion um die Haltung von Wildtieren in Zoos in die Schlagzeilen. Warum hat Balou so gehandelt?Können Bären und Co. ein artgerechtes Leben in Tierparks führen? Oder muss man für die Arterhaltung Abstriche machen? Im Forum gibt es einige Meinungen zum Thema “Pro und Contra Zoo”.


Ein unterirdischer Zoo

hamsterOsnabrück - Im Tierpark von Osnabrück ist ab Donnerstag ein deutschlandweit einmaliges neues Gehege zu sehen: ein unterirdischer Zoo. Am Donnerstag ist Eröffnung. Gleich hinter dem Eingang beginn ein 120 Meter langer Stollen, der wie aus dem Film “Indiana Jones” wirkt.

Aus den von Balken und Bohlen gestützten Decken hängen Wurzeln, Grubenlampen verbreiten funzeliges Licht. In den Wänden sind hinter Glasscheiben Tierbauten zu erkennen. Darin wuselt fast alles, was im Boden so kreucht und fleucht.  Der Nacktmull zum Beispiel. Ein ausgesprochen unansehnliches Geschöpf, hoch interessant aber auch. Die nur zeigefingergroßen, faltigen Säugetiere mit den langen Zähnen leben unterirdisch in Stämmen wie Bienen zusammen: Manche warten den Bau, andere bewachen ihn, wieder andere sorgen mit der Königin für Nachwuchs. Die aus Ostafrika stammenden Nacktmulle können mehr als 20 Jahre alt werden und sind offenbar schmerzunempfindlich.

Gleich gegenüber lässt sich ein ebenfalls in Afrika heimischer, 15 Jahre alter und mit rund 20 Zentimetern Körpergröße ausgewachsener Riesengraumull von einem Jungtier Karottenstücken herbeischaffen. Ein paar Meter weiter druselt ein Feldhamster in seiner Höhle, die er allein bewohnen darf, weil die Art als einzelgängerisch bekannt ist. Die Ratten fressen derweil in ihrem gläsernen Gehege, für das Chefgestalter Detlev Gehrs einen mittelalterlichen Abwasserkanal samt Kellerruine nach dem Vorbild einer Osnabrücker Ausgrabungsstätte schuf.

“Insgesamt haben wir hier rund zehn Arten - einheimische und exotische”, erklärt der Zoo-Revierleiter Oliver Schüler. Dazu gehören auch Erdhummeln, Feldmäuse und Präriehunde. Wenn er die Menagerie in den 500 Quadratmetern Zoo unter dem Zoo zusammenzählt, kommt er auf etwa 70 Tiere plus vier Kilogramm Regenwürmer, die vor den Augen der Besucher ihre Gänge durch dunkle, feuchte Erde ziehen. Die Nager haben Sägespäne zum Hin- und Hertransportieren, dürfen aber nicht selbst graben. Daran hindert sie Epoxidharz, mit dem die Gänge ausbruchssicher gemacht wurden. Einen Naturboden wie auch Jahreszeiten kann der Zoo nur begrenzt nachahmen: Glück für die Besucher, denn es gibt keinen ausgiebigen Winterschlaf. Den Bewohnern aber gehe es nach Expertenmeinung gut, sagt Schüler.

Zum Beispiel ist die Ernährung gesichert: “Morgens gibt es ein kleines Frühstück auf Maisbasis, abends Salat, Karotten und Äpfel.” Vor Besucherlärm schützt die Tiere Doppelglas samt Luftpolster dazwischen. Für manche von ihnen ist das Leben im Osnabrücker Untergrund sogar das echteste, was sie bislang erlebten. Die rabenschwarzen, aus Chile stammenden Corurus Trugratten verbrachten wie die Riesengraumulle ihr bisheriges Leben in Glasterrarien an der Universität Essen. Der unterirdische Zoo, laut Angaben in seiner Konzeption und Größe weltweit einzigartig, ist das kreative Ergebnis eines Umbauwunsches: Naturkundemuseum und Zoo liegen in Osnabrück nebeneinander, da sollten sie durch einen Tunnel verbunden werden. Doch warum nicht den Besuchern hier weitere Erlebnisse bieten, überlegten sich die Verantwortlichen.

Zum Bericht mit vielen Bildern.


Tierpfleger/in

Dieser Ausbildungsberuf bietet drei Fachrichtungen. Die ersten beiden Ausbildungsjahre von gemeinsamen Inhalten bestimmt, findet sich im dritten Ausbildungsjahr die Aufgliederung in die Fachrichtungen „Forschung und Klinik“, „Zoo“ und „Tierheim und Tierpension“ mit entsprechend unterschiedlichen Ausbildungsinhalten.
Tierpfleger befassen sich mit der Pflege, Haltung, Zucht und Erziehung von Tieren.

Tierpfleger und Tierpflegerinnen führen ihre Tätigkeiten unter Beachtung des Tier-, Arten-, Natur- und Umweltschutzes, der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz und betriebswirtschaftlicher Gegebenheiten selbständig aus. Sie pflegen und versorgen Tiere, erkennen und berücksichtigen die Systematik, Anatomie, Physiologie und das Verhalten von Tieren, richten Tierunterkünfte ein, reinigen, desinfizieren sie und halten diese instand, legen spezifische Haltungseinrichtungen an, erkennen Krankheiten und beugen ihnen vor, wirken bei der Behandlung von Tieren mit.

Die Aufgaben in der Fachrichtung Forschung und Klinik:
Tierpfleger züchten, halten und pflegen u.a. hygienisch und genetisch definierte Tiere, wählen geeignete Arbeitstechniken aus und wenden diese an, führen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des Hygienestatus durch, wirken bei Experimenten mit und wenden die Regeln guter Laborpraxis an.

In der Fachrichtung Zoo:
Tierpfleger bestimmen, füttern, tränken und pflegen Tiere, züchten und ziehen Wildtiere und Tiere gefährdeter Haustierrassen auf, wirken bei der Planung zoospezifischer Anlagen mit und richten diese ein, beschäftigen Tiere nach Gesichtspunkten des “Behavioral Enrichement”, betreuen Besuchergruppen und informieren über im Betrieb lebende Tiere.

In der Fachrichtung Tierheim und Tierpension:
Tierpfleger tränken, füttern und pflegen Tiere, erziehen Tiere und bilden sie aus, betreuen Besucher und Besuchergruppen, beraten Besucher und Kunden über Erwerb und Halten von Tieren, führen kaufmännische und verwaltende Arbeiten aus.

Ausbildungsdauer: Drei Jahre (je nach Schulabschluss)
Die Ausbildung findet im Betrieb und an der Berufsschule statt.
Zugangsvoraussetzungen: Qualifizierender Hauptschulabschluss / Mittlere Reife / Abitur

Weitere Informationen: http://www.bibb.de/de/ausbildungsprofil_14581.htm