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Elefantenmädchen Jamuna Toni ist tot

jamutotMünchen - Der Schock sitzt tief: Die Ärzte mussten Elefantenmädchen Jamuna Toni am Montag einschläfern. So reagierten der Tierpark-Chef und die Pfleger auf die Katastrophe.

„Mir geht das nach. Uns allen, auch den Pflegern. Dem kann man sich nicht verschließen.” Mit belegter Stimme trat Tierpark-Chef Andreas Knieriem am Montag um 17 Uhr vor die Presse, um die traurige Nachricht zu verkünden: Jamuna, der quirlige Sonnenschein im Elefantenhaus, hat es nicht geschafft.

Seit Anfang Juni hatte das sechs Monate alte Elefantenkind zunehmend Schmerzen in den Vorderbeinen gehabt. Am Freitag brachte der Tierpark sie in eine Pferdeklinik in Gessertshausen nahe Augsburg, die über modernste Röntgentechnik verfügt und ein Tragesystem hat, in dem Jamuna stehen konnte, ohne die Beine zu belasten. Die für Ponys konzipierte Apparatur war noch in der Nacht umgebaut worden. Doch am Wochenende verschlechterte sich Jamunas Zustand dramatisch: Wie bei einer Glasknochenkrankheit, so Knieriem, seien neben den ursprünglich diagnostizierten Verschiebungen der Wachstumsfugen binnen Minuten zahllose weitere Brüche aufgetaucht - Hinweis auf eine schwere Stoffwechselkrankheit. Als auch noch eine Lungenentzündung hinzu kam, wussten die Ärzte: Man kann ihr nicht mehr helfen.
Die schwere Entscheidung traf eine achtköpfige Ethikkommission, berichtet Knieriem. Das Tierpark-Team sei dazu nicht in der Lage gewesen. „Wir waren zu nah an der Kleinen dran. Wir hatten immer das Gefühl: Die Hoffnung stirbt zuletzt.”

Man habe Jamuna „schlafen gelegt und ihr etwas gegeben, damit sie in Ruhe einschlafen kann”, berichtete Knieriem mit stockender Stimme. Alle Pfleger und Ärzte seien dabei gewesen. Knieriem kündigte an, man wolle eine Stelle im Elefantenhaus schaffen, wo trauernde Besucher Blumen zum Gedenken an Jamuna niederlegen können.

Im Berliner Institut für Zoo- und Wildtierforschung soll nun geklärt werden, was Jamuna krank gemacht hat. Die Ernährung sei als Ursache nicht auszuschließen, so Knieriem. Weil Mutter Panang sie nicht angenommen hatte, war Jamuna von den Pflegern mit der Flasche aufgezogen worden - mit der einzigen auf dem Markt verfügbaren Spezialmilch. „Aber alle Blutwerte waren in Ordnung”, sagt Knieriem ratlos. Auch ein Gendefekt könne die Erkrankung ausgelöst haben. Bereits 2005 hatte Panang eine Totgeburt. Ob sie Jamuna verstoßen hat, weil sie spürte, dass auch sie nicht gesund ist? „Die Gene spielen manchmal eigenartige Rollen”, sagte der Tierparkchef. Man kenne solche Fälle aus der Tierwelt. Es sei zu früh, darüber zu spekulieren.

Für die Hellabrunner Elefantenherde sei Jamuna sehr wichtig gewesen. Zum ersten Mal erlebten einige der Kühe ein Jungtier, begannen sich dafür zu interessieren. „Als wir Jamuna weggebracht haben, waren alle da und haben geschaut. Die waren recht aufgeregt”, berichtet Knieriem.
Knieriem hofft, dass die Besucher Hellabrunn weiter die Treue halten. Jamuna hatte im Dezember Besucherzahlen und Einnahmen deutlich wachsen lassen. Es gebe viele andere Attraktionen, und neuer Elefanten-Nachwuchs sei in Sicht, warb Knieriem: Elefantenkuh Temi wird in einem Jahr Mutter werden, bis jetzt verläuft die Schwangerschaft problemlos. Dennoch: „Wir wollen Jamuna nicht vergessen. Sie war die erste, und sie bleibt in unseren Herzen.”

www.merkur-online.de

Problem-Paviane und Pleite-Tiger

pleiteErst verwahrlost, dann schwer vermittelbar: Jedes Jahr schließt in Deutschland mindestens ein Tierpark. Doch die Tiger, Paviane und Waschbären will dann kaum jemand haben. So wurden schon Löwen an eine Farm in Afrika verkauft, die Jagden für gutbetuchte Kundschaft anbietet.

Ein Bericht von Spiegel online

Ronny Schäfer träumte von einem eigenen Raubtier-Park, und als die Chance kam, griff er zu. Er sicherte sich einen Tierpark im nordrhein-westfälischen Kalletal. Hier rissen vier Tiger - Corty, Saskia, Sam und Shari - ihre Mäuler auf, hier kratzten sich zwei Schimpansen - Fritz und Friederike - das Fell.
Eine Unterschrift und schon war Schäfer Besitzer von rund zwei Dutzend exotischen Tieren - von Pavianen, Wölfen, Luchsen, Dingos, Waschbären, Tigern und Schimpansen. Und das, obwohl er keine Ahnung hatte. Keine Ahnung, wie der Alltag eines Zoos tatsächlich aussieht, wie er einen solchen Betrieb zu führen hat. Schäfer ist gelernter Schlachter. Mit seiner Frau betreibt er einen Futterhandel.
Schäfers Traum platzte.
Das zuständige Veterinäramt verweigerte ihm die Betriebserlaubnis, verfügte, dass die Tiere an neue Besitzer zu vermitteln seien. Doch damit wollte Schäfer sich nicht abfinden, wie er nun SPIEGEL TV Magazin erzählte (Sonntag, 22.30 Uhr, RTL): “Sie sagten, ich wäre nicht fähig, ein Raubtier zu halten. Da habe ich gesagt: ‘Dann füttert ihr die Tiere weiter. Ich bin nicht der Depp der Nation.’”
Schäfer klagte, die Tiger, die Affen, die Luchse, die Wölfe fraßen und Schäfer ging das Geld aus. Den Tierpark bot er sogar auf Ebay an. Es half nichts.
Schäfer sah keinen Ausweg mehr, schrieb ans Amt, drohte, die Tiere verhungern zu lassen, bat schließlich sogar darum, sie einschläfern zu dürfen. Das Amt beschlagnahmte die Tiere. Jeder Affe, jeder Tiger wurde jetzt zum Problem-Affen und Problem-Tiger: Wohin mit ihnen?
Weil Exoten Besucher anziehen, wollen auch kleine Zoos und Tierparks selten auf Affen, Tiger und Elefanten verzichten. Häufig jedoch übernehmen sie sich dabei. “Etwa jedes Jahr macht in Deutschland ein Tierpark dicht”, schätzt Laura Zimprich, Vorsitzende des Tierschutzvereins “Animal Public”.
Und das Problem könnte sich noch verschärfen. “Derzeit wird an neuen Vorgaben gearbeitet, die vorsehen, dass Zootieren in ihren Gehegen endlich mehr Platz zur Verfügung stehen wird”, so Zimprich. Die Folge dieses eigentlich löblichen Vorstoßes könnte aber sein, dass noch mehr Zoos geschlossen werden.
Bei der Auflösung solcher Tierparks, bei der Suche nach neuen Plätzen für die Tiere, haben die Exoten unter ihnen dann oft die schlechtesten Karten. Die Nachfrage nach der Konkursmasse ist gering.
Experten schätzen, dass in Europa Tausende Tiere betroffen sind. “Die meisten Zoos haben kein Interesse daran, solche aussortierten Exemplare aufzunehmen. Oft haben sie gar nicht den Platz dafür. Ein ausgewachsener Tiger ist ja keine Schildkröte”, sagt Zimprich. Außerdem produzierten die eigenen Tiere selbst so viel Nachwuchs, dass erst dieser vermittelt werden müsse. Bereits das sei schwer.
“Erst im vergangenen Herbst hat ein deutscher Safaripark Löwen nach Afrika verkauft, an eine Farm, die sich darauf spezialisiert hat, Jagden für zahlende Amerikaner und Briten anzubieten. Die sollen Tiere mit gepflegter Mähne zu sehen bekommen”, so Zimprich.
Ein weiterer Grund, warum andere Zoos und Tierparks den Exoten kein Asyl bieten: Häufig fügen sich die fremden, oft greisen Tiere nicht in die eigenen penibel abgestimmten Zuchtprogramme. So auch im Fall Kalletal: “Sie passen weder genetisch noch demographisch”, sagt Dr. Lesley Dickie, Geschäftsführerin des Europäischen Zoobands (EAZA), der solche Programme organisiert.
Außerdem gilt auch für Zoos und Tierparks: Sie sind Unternehmen. Sie sind auf Attraktionen angewiesen. Ein knuddeliger Knut begeistert die Massen, ein zotteliger Tiger erregt nur noch Mitleid. So sind es am Ende fast ausschließlich Tierschutzorganisationen, die die Exoten davor bewahren, getötet zu werden. Weltweit nutzen sie ihre Netzwerke, suchen nach Möglichkeiten, die Tiere doch noch in Reservaten oder privaten Stationen unterzubringen.
Auch die ausgewachsenen Exoten des Tierparks Kalletal sind noch unterkommen. Die beiden Schimpansen bei der privaten niederländischen Auffangstation “Aap”, die vier Tiger in einer der Station der niederländischen Organisation “Pantera”.

Jamuna hat jetzt drei Väter

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Jamuna kuschelt mit einem Pfleger. Foto: ap

München - Die Hellabrunner Elefantenkuh Panang (20) hat offensichtlich jedes Interesse an ihrem Baby Jamuna verloren. Wenige Tage nach der Geburt schob sie ihre Kleine mit dem Rüssel weg und ließ sie nicht mehr trinken. In der freien Natur wäre das vermutlich das Todesurteil für ein nur wenige Tage altes Elefantchen. Jamuna Toni dagegen hat trotzdem alle Chancen, ein großes starkes Elefantenmädchen zu werden. Sie hat zwar nun keine Mutter mehr, dafür aber gleich mehrere „Väter”: Drei Elefanten-Pfleger werden das Elefantenkind nun abwechselnd mit der Flasche aufziehen.

In der Nacht zum 21. Dezember brachte Panang nach zwei erfolglosen Schwangerschaften ihr erstes Junges zur Welt - und die Münchner freuten sich wie selten über dieses vorgezogene Weihnachtsgeschenk die erste glückliche Hellabrunner Elefantengeburt seit 60 Jahren. Jamuna Toni ist seitdem der Publikumsmagnet. Am Montag standen die Besucher wieder Schlange vor dem Elefantenhaus.

Bilder und ein Video von Jamuna gibt es unter www.merkur-online.de.


Streichelzarter Dickhäuter

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Jamuna entzückt München. Foto: Klaus Haag

Über die Haltung von Wildtieren in Zoos mag jeder denken, wie er will. Sicher ist, dass Tierfreunde von dem neu geborenen Elefantenkalb hingerissen sind. Kurz vor Weihnachten erblickte Jamuna das Licht der Welt.

Im Elefantenhaus von Hellabrunn sitzen fünf Pfleger im Kreis um Dickhäuterbaby Jamuna Toni herum im Stroh. OB Christian Ude und seine Frau schauen zur Elefantenrunde vorbei - und schon stürmt der kleine Elefant Rüssel nach oben gereckt auf den Rathauschef zu und lässt sich von ihm tätscheln. “Wunderbar streichelzart”, schwärmt Ude, während der Mini-Elefant immer wieder erstaunlich laut brüllt und trompetet.

Der Münchner Merkur berichtet und zeigt viele Bilder.

Knopfaugen und Strubbelmähne

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Das Affen-Baby Jolie. Foto: Marcus Schlaf

München - Diese strubbelige Mähne, die riesigen schwarzen Augen und der neugierige Blick - Jolie ist ihrer Schwester Anni wie aus dem Gesicht geschnitten. Am Dienstag wurde im Tierpark Hellabrunn in München das neue Orang-Utan-Baby vorgestellt. Das Affenmädchen Anni war vor eineinhalb Jahren qualvoll am Deckengitter des Geheges erstickt.

Noch schaut der 15 Wochen alte Sumatra-Orang-Utan mit großen Augen der ein Jahr alten Cousine Isalie hinterher, wenn sie an den Seilen herumkraxelt und das 450 Quadratmeter große Orang-Utan-Paradies erkundet. „Die Kleine hängt noch sehr an ihrer Mutter”, sagt Doris Schwarzer vom Tierpark. Die 33 Jahre alte Mutter Matra hat dabei ganz schön schwer zu schleppen: Zwischen fünf und sechs Kilo wiegt Jolie schon.

Den Namen hat der Chef der Münchner Sparkasse, Harald Strötgen, persönlich ausgewählt. Sein Unternehmen, das den Tierpark seit 2007 unterstützt, hat die Partnerschaft für Jolie übernommen. „Jolie ist französisch und bedeutet so viel ‚die Hübsche‘. oder ‚die Niedliche‘.”

Auch die verstorbene Schwester Anni war bildhübsch. So fotogen posierte sie, dass sie es sogar auf die Tierpark-Plakate schaffte. Dann im Februar 2008 der plötzliche Tod: Das Äffchen gerät beim Herumtollen durch einen seitlichen Spalt auf die Stahlnetz-Konstruktion über dem Gehege. Es bekommt Angst. Der kräftige Papa Bruno versucht verzweifelt, es von unten wieder durch das Netz zu zerren. Anni bleibt mit dem Kopf hängen und stranguliert sich qualvoll im Gitter. Nach dem Unfall waren die Eltern tagelang unter Schock.

Jetzt freuen sie sich über ihr neues Junges. Und auch, wenn die Gitterkonstruktion danach in Hellabrunn umgebaut wurde: Mama Matra scheint es derzeit ganz besonders zu genießen, wenn die kleine Jolie an ihrem Bauch klammert.

Noch mehr Bilder und ein Video gibt es auf www.merkur-online.de zu sehen.

Tigerbaby-Vater von Auto überfahren

monsterErst vor wenigen Tagen war dieses Bild in den Zeitungen zu sehen - mit der Herz erwärmenden Nachricht, dass der Dackelrüde “Monster” ein Tigermädchen adoptiert hat, das von seiner Mutter nicht angenommen wurde. Doch nun folgt die tragische Nachricht: Der Tigerbaby-Vater ist von einem Auto überfahren worden.

Der Rüde “Monster” kümmerte sich trotz seines Namens im Ströhener Tierpark rührend um das kleines Tigerbaby. Erst vor wenigen Tagen hatte Monster das Tigermädchen adoptiert, nun ist er tot. In einer kleinen Pause von seinen väterlichen Pflichten wurde der Dackel von einem Auto angefahren und tödlich verletzt. „Wir sind total schockiert, er wollte nur raus, um sein Geschäft zu verrichten”, teilte Almuth Ismer vom Tierpark Ströhen (Landkreis Diepholz) mit. Sie ist die Pflegerin des am Samstag geborenen Tigermädchens, das von seiner Mutter verstoßen wurde.

Die Tigerin hatte bereits im Oktober ein Junges bekommen, das sie noch säugt. Deshalb kümmerte sie sich nicht um das zweite Baby. Als ein Tierpfleger das Kleine fand, war es bereits stark ausgekühlt und geschwächt. Dank guter Pflege sowie der Zuwendung des Dackelrüden ging es dem kleinen Tigermädchen schnell besser. Der Dackel hatte sich rührend um das doppelt so große Raubtierkind gekümmert.

Nun hat sich überraschenderweise “Monsters” Tochter “Bessi” als Ersatz gefunden. Die einjährige Hündin habe sich nach dem Tod ihres Vaters in das Tigerbaby verliebt.

Süßer Wildschwein-Nachwuchs

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Die neugierigen Ferkel von Borstelchen. Foto: Marcus Schlaf

München - Schweinisch gut drauf sind diese vier Neuzugänge im Tierpark Hellabrunn in München. Dabei haben sie trotz ihrer Jugend einen verantwortungsvollen Vollzeit-Job: Den ganzen Tag lang müssen sie so aussehen wie ihre Vorfahren vor 851 Jahren.

Der kleine Eber und seine drei Schwestern sind Ferkel von „Borstelchen”, einem speziell gezüchteten Schwein, das der Tierpark der Stadt im vergangenen Jahr zum 850. Geburtstag geschenkt hat. Durch gezielte Kreuzung mehrerer Wild- und Hausschweinrassen haben die Experten ein Schwein geschaffen, das den halbwilden Weideschweinen aus der Zeit der Stadtgründung recht nahe kommt. Nun gibt es die tierischen Zeugen der Stadtgeschichte in neuer Auflage. Und eines zeigt sich ganz deutlich: Ferkel waren schon vor 850 Jahren einfach süß. Mehr Bilder gibt es auf merkur-online.de.

sc/merkur-online.de


Ein unterirdischer Zoo

hamsterOsnabrück - Im Tierpark von Osnabrück ist ab Donnerstag ein deutschlandweit einmaliges neues Gehege zu sehen: ein unterirdischer Zoo. Am Donnerstag ist Eröffnung. Gleich hinter dem Eingang beginn ein 120 Meter langer Stollen, der wie aus dem Film “Indiana Jones” wirkt.

Aus den von Balken und Bohlen gestützten Decken hängen Wurzeln, Grubenlampen verbreiten funzeliges Licht. In den Wänden sind hinter Glasscheiben Tierbauten zu erkennen. Darin wuselt fast alles, was im Boden so kreucht und fleucht.  Der Nacktmull zum Beispiel. Ein ausgesprochen unansehnliches Geschöpf, hoch interessant aber auch. Die nur zeigefingergroßen, faltigen Säugetiere mit den langen Zähnen leben unterirdisch in Stämmen wie Bienen zusammen: Manche warten den Bau, andere bewachen ihn, wieder andere sorgen mit der Königin für Nachwuchs. Die aus Ostafrika stammenden Nacktmulle können mehr als 20 Jahre alt werden und sind offenbar schmerzunempfindlich.

Gleich gegenüber lässt sich ein ebenfalls in Afrika heimischer, 15 Jahre alter und mit rund 20 Zentimetern Körpergröße ausgewachsener Riesengraumull von einem Jungtier Karottenstücken herbeischaffen. Ein paar Meter weiter druselt ein Feldhamster in seiner Höhle, die er allein bewohnen darf, weil die Art als einzelgängerisch bekannt ist. Die Ratten fressen derweil in ihrem gläsernen Gehege, für das Chefgestalter Detlev Gehrs einen mittelalterlichen Abwasserkanal samt Kellerruine nach dem Vorbild einer Osnabrücker Ausgrabungsstätte schuf.

“Insgesamt haben wir hier rund zehn Arten - einheimische und exotische”, erklärt der Zoo-Revierleiter Oliver Schüler. Dazu gehören auch Erdhummeln, Feldmäuse und Präriehunde. Wenn er die Menagerie in den 500 Quadratmetern Zoo unter dem Zoo zusammenzählt, kommt er auf etwa 70 Tiere plus vier Kilogramm Regenwürmer, die vor den Augen der Besucher ihre Gänge durch dunkle, feuchte Erde ziehen. Die Nager haben Sägespäne zum Hin- und Hertransportieren, dürfen aber nicht selbst graben. Daran hindert sie Epoxidharz, mit dem die Gänge ausbruchssicher gemacht wurden. Einen Naturboden wie auch Jahreszeiten kann der Zoo nur begrenzt nachahmen: Glück für die Besucher, denn es gibt keinen ausgiebigen Winterschlaf. Den Bewohnern aber gehe es nach Expertenmeinung gut, sagt Schüler.

Zum Beispiel ist die Ernährung gesichert: “Morgens gibt es ein kleines Frühstück auf Maisbasis, abends Salat, Karotten und Äpfel.” Vor Besucherlärm schützt die Tiere Doppelglas samt Luftpolster dazwischen. Für manche von ihnen ist das Leben im Osnabrücker Untergrund sogar das echteste, was sie bislang erlebten. Die rabenschwarzen, aus Chile stammenden Corurus Trugratten verbrachten wie die Riesengraumulle ihr bisheriges Leben in Glasterrarien an der Universität Essen. Der unterirdische Zoo, laut Angaben in seiner Konzeption und Größe weltweit einzigartig, ist das kreative Ergebnis eines Umbauwunsches: Naturkundemuseum und Zoo liegen in Osnabrück nebeneinander, da sollten sie durch einen Tunnel verbunden werden. Doch warum nicht den Besuchern hier weitere Erlebnisse bieten, überlegten sich die Verantwortlichen.

Zum Bericht mit vielen Bildern.