Stresslösung mit Pferd
Carlo, Benno, Felix, Sarah und Jonas tun sich schwer, ihre gesamte Aufmerksamkeit auf eine Sache hin zu fokussieren - zumindest in der Schule. Sie lassen sich leicht ablenken, der innere Drang nach Abwechslung ist stärker als die Fähigkeit zur Ausdauer. Die zwölf- und 13-jährigen Jugendlichen haben eine gewisse Art von Konzentrationsschwäche. Und die Ursache dafür ist oftmals Stress. Um das Problem in den Griff zu bekommen, haben die Schüler der Montessori-Schule Dachau ganz neue Helfer: Atticus, Don Camillo, Debbie, Maja und die anderen Pferde auf der Lucky Horse Ranch in Hohenkammer unterstützen die Jugendlichen bei der Stresslösung.
So ganz einig sind sich Jonas und Atticus noch nicht. Der 13-jährige Jonas will rechts rum zu dem kleinen Hindernis, doch der Fuchswallach dreht einfach nach links ab. „Denk dir, wohin du willst!”, rät Reitlehrer Peter Speckmaier. Jonas geht mit Atticus eine kleine Volte - und schon steuern die beiden auf das Cavaletti zu. Atticus galoppiert an, Jonas stellt sich in die Steigbügel - und mit einem Satz geht’s über den Sprung. „Das war jetzt richtig schön flüssig, Jonas!”, lobt Gisela Dinauer. Das ist wichtig: Jede Reitstunde endet mit einem positiven Erlebnis.
Drei Tage pro Monat verbringt eine kleine Gruppe Siebtklässler der Montessori-Schule Dachau auf der Lucky Horse Ranch in Hohenkammer (Landkreis Freising). Für Carlo, Benno, Felix, Sarah und Jonas stehen neben dem Reiten natürlich das Versorgen und Putzen der Pferde, aber auch jede Menge Theorie auf dem Programm. Für die Kinder geht es nicht in erster Linie um das Reitenlernen: Die Pferde helfen ihren jungen Reitern bei der Stresslösung. Dieses Projekt, das erst seit Januar läuft, hat schon jetzt erstaunliche Erfolge bei Schülern mit Konzentrationsschwäche gezeigt.
Gisela Dinauer, die vor acht Jahren die Lucky Horse Ranch gegründet hat, fing vor eineinhalb Jahren gemeinsam mit Chiron-Lehrer Peter Speckmaier an, einen besonderen Reitunterricht anzubieten. „Beim Chiron geht es viel um die Psychologie, die Anatomie und das Nervensystem des Pferdes”, erklärt Gisela Dinauer. Und wenn man versteht, wie Stress entsteht, kann man das Pferd in einem Schreckmoment wieder zur Ruhe bringen.
Die Kinder der Montessori-Schule übersetzen das Wissen über das Nervensystem des Pferdes auf das des Menschen. „Wir haben gelernt, was mit den Synapsen passiert, wenn viel Stress ist”, erzählt Jonas. Und Sarah berichtet: „In den Wochenplänen sind wir besser geworden, wir haben mehr geschafft, seit wir hier sind.” Aber dann haben die Kinder keine Zeit mehr. Sarah longiert ein Pony, während die Buben aufs Dach des Stalls klettern, sich gegenseitig in den Schubkarren herumfahren oder mit den Peitschen knallen: Freizeit eben.






