So genießen die Haustiere den Sommer
Wer Schweißdrüsen am ganzen Körper hat, ist im Sommer eindeutig im Vorteil. Dazu zählen der Mensch und beispielsweise das Pferd. Unseren Haussäugetieren dagegen können hohe Temperaturen ganz schön zu schaffen machen.
Wird es dem Pferd zu warm, scheiden die Schweißdrüsen Wasser aus. Durch die Verdunstung des Wasserfilmes entsteht Kälte auf der Oberfläche, der Körper kühlt ab. So kann die Körpertemperatur kontrolliert werden. “Hund und Katze können das nicht”, sagt Silvia Bsiso, Tierärztin in München-Moosach. Diese beiden Vierbeiner haben hauptsächlich an den Pfoten Schweißdrüsen. Der Hund hat drei Möglichkeiten, seine Körpertemperatur zu kühlen, wie die Tierärztin erklärt. Die Konduktion, Wärmeleitung: Wenn es dem Hund zu heiß wird, legt er sich auf kühleren Boden und gibt Körpertemperatur ab. Bei der Konvektion kühlt der Hundekörper im Luftzug. Und mittels Hecheln gibt der Vierbeiner über die Atemluft Wärme ab.
Grundsätzlich rät Silvia Bsiso, darauf zu achten, ob die Hunderasse mit dem Klima zusammen passt. Rassen, die aus arktischen Regionen stammen, können im Sommer eventuell geschoren werden. Die hohen Temperaturen werden für den besten Freund des Menschen erträglicher, wenn der Hund vor dem Gassigehen nass gemacht wird, vor allem bei Spaziergängen um die Mittags- und Nachmittagszeit. “Das verhindert, dass der Hund überhitzt”, so die Tierärztin. Den m eisten Vierbeinern macht ein Ausflug an den See zudem großen Spaß. Beim Autofahren ist es ratsam, dem Hund ein nasses T-Shirt anzuziehen.
Oberste Regel ist natürlich: “Den Hund nicht im Auto lassen”, sagt Silvia Bsiso. Schon in wenigen Minuten und auch im Schatten kann sich das Auto auf bis zu 60 Grad Celsius aufheizen - “das kann lebensgefährlich sein”. Bei einem Hitzschlag, einer Überhitzung des gesamten Organismus, besteht die Gefahr, dass Eiweiß denaturiert und damit Organfunktionen komplett ausfallen.
Die Katze kommt mit Hitze besser klar, aber nur, weil sie grundsätzlich träger ist als der Hund. Wenn eine Fahrt zum Tierarzt oder in den Urlaub ansteht, muss auch für den Stubentiger für Kühlung gesorgt werden. “Zum Beispiel die Transportbox mit Kühlelementen auslegen und ein Handtuch drüber legen”, schlägt die Tierärztin vor.
Hasen oder Meerschweinchen besitzen gar keine Schweißdrüsen, deshalb ist es wichtig, dass sie ein Häuschen und Schattenzonen im Freigehege haben. “Für Fluchttiere ist ein Häuschen grundsätzlich von großer Bedeutung, damit ihr Sicherheitsbedürfnis erfüllt ist”, erklärt Silvia Bsiso. Wenn die Tiere draußen im Auslauf sind, muss man bei der Einrichtung von Schattenzonen unbedingt die Sonnenwanderung berücksichtigen.
Mitteilung des Deutschen Tierschutzbundes
Auch der Deutsche Tierschutzbund gibt Heimtierbesitzern und Landwirten Ratschläge, wie sie dafür Sorge tragen können, dass ihre Tiere die Hitze gut überstehen. Denn nach wie vor sterben Jahr für Jahr Tiere, weil ihre Halter nicht rechtzeitig bedacht haben, dass auch Hunde, Katzen, Kaninchen und Tiere in der Landwirtschaft unter der Hitze leiden.
Haltung von Rindern, Schafen und Pferden bei Hitze
Rinder, Schafe und Pferde, die auf der Weide gehalten werden, benötigen einen tierschutzgerechten Witterungsschutz. Dieser kann aus natürlichen Gegebenheiten wie Hecken und Bäumen und/oder künstlichen Einrichtungen bestehen. Natürliche Schutzmöglichkeiten müssen ganztägig und ganzjährig, insbesondere bei intensiver Sonneneinstrahlung, jeder Windrichtung und bei Regen ihre Funktion erfüllen. Als künstliche Schutzvorrichtungen sind etwa Windschutzwände und zwei- bis dreiseitig zur Hauptwetterseite hin geschlossene, überdachte Unterstände geeignet.
Da ein Witterungsschutz bei Rindern und Schafen und Pferden nicht ausdrücklich gesetzlich festgeschrieben, sondern lediglich in Empfehlungen des Europarates und der einzelner Bundesländer aufgeführt ist, und die Errichtung eines Witterungsschutzes mit Kosten verbunden ist, wird leider allzu häufig darauf verzichtet. Jedoch ist nach dem geltenden Tierschutzgesetz jeder, der ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, verpflichtet, dieses seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen zu ernähren, zu pflegen und verhaltensgerecht unterzubringen. Dies verpflichtet auch, Tiere vor großer Hitze zu schützen. Nicht vergessen werden darf, dass bei Hitze die Futtergrundlage auf der Weide abnimmt und die Tiere so unter Umständen zugefüttert werden müssen.
Ein Ausritt in den kühleren Morgen- und Abendstunden ist für Mensch und Tier angenehmer als zu den wärmeren Tageszeiten. Und dass man dem Tier keine übermäßige Anstrengung durch eine “wilde Jagd” zumutet, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.
Tiertransporte bei Hitze
Probleme infolge der hohen Temperaturen entstehen auch beim Transport von Tieren. Lebendtransporte von Mast- und so genannten Schlachttieren, die wir ohnehin ablehnen, wenn sie über einen zeitlichen Rahmen von national vier Stunden bzw. 200 Kilometern, international acht Stunden hinausgehen, dürfen bei Hitze nicht stattfinden. Es existiert kein vernünftiger Grund dafür, die Tiere solchen Leiden und Schmerzen auszusetzen, denn Profitgier ist kein vernünftiger Grund.
Tierhaltern und Transporteuren rechtlich verbindliche Auflagen zu erteilen, ist dem Deutschen Tierschutzbund leider nicht möglich. Grundsätzlich sind die Amtsveterinäre nun gefordert, noch strenger als bisher Kontrollen durchzuführen und bei den kleinsten Anzeichen, dass Tiere leiden, einzugreifen. Entsprechende Hilfestellung kann aus der Bevölkerung kommen.
Bitte informieren Sie die örtlichen Veterinäre oder auch den Tierschutzverein vor Ort, wenn Tiere beispielsweise ohne geeigneten Witterungsschutz auf der Weide gehalten werden, damit geeignete Maßnahmen ergriffen werden können.
Tipps für die Haltung von Hunden
Bei steigenden Temperaturen und zunehmender Sonneneinstrahlung sollten Tierhalter ihre Gefährten besonders genau beobachten, um eventuelle Veränderungen im Verhalten sofort feststellen und entsprechend schnell reagieren zu können.
Auch Hunde können auf unbehaarten Stellen einen Sonnenbrand bekommen. Ausreichend Trinkwasser muss den Tieren immer zur Verfügung stehen. Mineralwasser mit Kohlensäure eignet sich nicht allerdings nicht. Ideal ist es, wenn die Mitbewohner auf vier Pfoten selbst entscheiden können, wann sie in der Wohnung - oder im Keller - ein kühles Plätzchen aufsuchen, an dem für sie angenehme Temperaturen herrschen. Spaziergänge und sportliche Betätigungen mit dem Hund sollten in die Morgen- und Abendstunden verlegt werden, wenn die Temperaturen gemäßigter sind. Andernfalls können - vor allem bei älteren Tieren - Kreislaufprobleme auftreten.
Das Auto kann für Hunde zur tödlichen Falle werden: Sauerstoffmangel, Übelkeit, Kreislaufprobleme und Kreislaufversagen führen im schlimmsten Fall zum Tod des Tieres. Wer ein Tier bei Hitze im Auto zurücklässt, handelt verantwortungslos. Es reicht nicht aus, den Wagen im Schatten abzustellen. Selbst, wer nur eben beim Nachbarn hereinschauen möchte, kann aufgehalten werden. Die Sonne wandert und schon wird es im Inneren des Wagens höllisch heiß. Auch bei bedecktem Himmel wird es in einem Auto rasch zu warm. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass vor allem Hunde im Auto warten müssen. Im Gegensatz zum Menschen können sich Hunde nicht durch Schwitzen Kühlung verschaffen, sondern nur durch Hecheln. Wenn Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit zu hoch sind, hilft ihnen dies nicht weiter. Daher sollte man die Tiere auch bei kurzen Botengängen immer mitnehmen. Passanten, die ein Tier in Not bemerken, sollten umgehend die Polizei oder auch die Feuerwehr informieren, um das Fahrzeug öffnen zu lassen, falls der Fahrzeughalter oder Fahrer nicht schnell genug gefunden werden kann. Allerdings muss nachweislich nach ihnen gesucht werden. Die Feuerwehr hat per Gesetz nicht die gleiche Befugnis das Auto zu öffnen wie die Polizei.
In einem Transporter sollte der Hund nur während der Fahrt untergebracht werden, da es darin bei starker Sonneneinstrahlung oder erhöhten Außentemperaturen zu einer extremen Wärmeentwicklung kommen kann. Sobald das Fahrzeug abgestellt wird, müssen die Tiere das Fahrzeug verlassen können. Die Installation von Ventilatoren in einem Transporter ist nicht zwingend vorgeschrieben, aber sicherlich sehr sinnvoll, um einem Hitzestau bei längeren Fahrten bzw. im Stau vorzubeugen.
Lange Autofahrten sollten beim Fehlen einer Klimaanlage an heißen Tagen in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden verlegt werden. Für sein unverantwortliches Verhalten kann der Tierhalter nach §17 Tierschutzgesetz zur Rechenschaft gezogen und bestraft werden - mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe.
Tipps für die Haltung von Tieren in Käfigen und Aquarien
Bei allen Tieren, die in Käfigen leben und der Sonne nicht ausweichen können, muss der Halter entsprechende Vorsorge treffen. Wichtig ist, dass der Käfig nie in der prallen Sonne steht. Wer morgens aus dem Haus geht, sollte bedenken, dass sich der Sonnenstand im Laufe des Tages ändert: Wo morgens noch kühler Schatten ist, herrscht nachmittags womöglich glühende Hitze. Ein frischer Wind bringt zwar ein wenig Abkühlung, doch sollten Käfige niemals im Durchzug stehen.
Wenn den Vögeln ein Badehäuschen zur Verfügung gestellt wird, sollte man darauf achten, das Wasser häufig zu wechseln. Vögel, die keine Badehäuschen nutzen, können vorsichtig mit Wasser besprüht werden.
Das Wasser im Aquarium kann sich für die Insassen lebensbedrohlich aufheizen. Notfalls sollte vorsichtig kaltes Wasser nachgefüllt werden, um das Schlimmste zu verhindern.
Alle Tiere, die in Freigehegen leben, müssen die Möglichkeit haben, sich in den kühlen Schatten zurückzuziehen.






