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Mobile Eingreiftruppe mit weißen Locken


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Schäfermeister Frank Neumann mit Ben und Carlos. Die Pyrenäen-Berghunde werden Schafherden vor Wolfsübergriffen schützen. Foto: dpa/Matthias Hiekel

Zum Schutz vor Wölfen hat Sachsen eine mobile Eingreiftruppe angeschafft. Herdenschutzhunde sollen Schafherden vor Übergriffen schützen.

Von Frank Tausch/Sächsische Zeitung

Ben und Carlos hat Schäfermeister Frank Neumann mitgebracht. Nun steht er mit den beiden Hunden auf den Elbwiesen zwischen Birkwitz und Pratzschwitz bei Pirna. Ben ist 20 Monate alt, ein hünenhafter Hund mit breiter Brust und weichem weißem Lockenfell. Carlo ist gerade sechs Monate jung und noch eine halbe Portion. Er muss erst noch nachweisen, dass er ein guter Herdenschutzhund werden will. Noch ist er etwas ungestüm. „Rambo” nennt ihn Schäfer Neumann deshalb mit Spitznamen. Umweltminister Frank Kupfer (CDU) stellte die beiden Hunde vor. Als Sachsens erste mobile Eingreiftruppe gegen Wolfsübergriffe. Sie sollen Nutztierherden schützen.

Im vergangenen Jahr hat der Freistaat den Einsatz von Herdenschutzhunden getestet. Als sich in der Lausitz ein oder mehrere Wölfe auch durch einen Schutzzaun und zusätzliches Flatterband nicht von Attacken auf eine Schafherde abhalten ließen, wurde ein Hundeführer aus der Schweiz geholt, der seine Tiere mitbrachte. Sie gehörten zur Rasse der Maremma-Schutzhunde - ebenfalls große weiße Hunde, die Tag und Nacht in der Schafherde bleiben können und einem Angreifer entgegentreten. Meist reicht ihr Anblick und ihr tiefes kraftvolles Gebell, um einen Wolf in die Flucht zu schlagen.

Etwa zwei Monate blieben die Schweizer. „Sie haben die Wölfe in der Tat abgeschreckt”, sagt Kupfer. Die guten Erfahrungen sollen nun ständig genutzt werden. Ben und Carlos gehören zur Rasse Pyrenäen-Berghund, Schäfermeister Frank Neumann hält derzeit sieben der Tiere. Er betreibt eine Schäferei mitten im Wolfsgebiet bei Schleife in der Lausitz. Bei ihm schlugen die Wölfe nach ihrer Ankunft in Sachsen so kräftig zu wie seitdem nicht wieder. Über 30 Schafe verlor Neumann und schaffte sich schon 2002 einen Herdenschutzhund an. Dieses Tier namens Anton schützt immer noch Neumanns Schafe und ist der Stammvater seiner Pyrenäen-Berghunde-Zucht. „Ich habe mit den Herdenschutzhunden kein Schaf mehr an Wölfe verloren”, sagt Neumann zufrieden.

Der 61-Jährige Schäfermeister steht nun bereit, um anderen Schäfern zu helfen, wenn deren Herde von Wölfen attackiert wird. Wenn keine andere Schutzmaßnahme Erfolg zeigt, dann beordert das Ministerium Schäfer Neumann mit den Herdenschutzhunden vor Ort. Das werden nicht immer nur Ben und Carlos sein. Aber die beiden sind die fotogensten für den Termin mit dem Minister.

Drei Tage dauert es etwa, eine Schafherde an Herdenschutzhunde zu gewöhnen. Dann sind die Hunde akzeptiert und bleiben je nach Bedarf mehrere Wochen oder auch einige Monate. Die Hunde ihrerseits sind Schafe gewöhnt. Sie werden in der Schafherde geboren und lernen, die Schafe als ihr Rudel zu betrachten, das geschützt werden muss. Anders als Hütehunde bleiben die Herdenschutzhunde sommers wie winters ständig inmitten der Schafe. Die Hunde verschmähen sogar Schutzhütten, leisten ihrer Herde auch bei Frost oder Gewitter Gesellschaft.

Das Projekt läuft zunächst ein Jahr, 3000 Euro bekommt Neumann pro Jahr und Hund im Einsatz. Obwohl sich der Schaf- und Ziegenzuchtverband gestern erfreut und beruhigt zeigte, dass der Freistaat den hauptberuflichen Schäfern hilft - vor allem sollen die Wölfe geschützt werden. „Schafe sind eine leichte Beute und wir sind klug beraten, dafür zu sorgen, dass sich der Wolf nicht an Schafe gewöhnt”, sagte Kupfer. Solange die Wölfe ihrer natürlichen Beute Reh, Hirsch und Wildschwein nachstellen, gibt es keinen Grund, Maßnahmen gegen sie zu ergreifen.

In diesem Jahr sind bisher bei vier Übergriffen elf Schafe getötet worden. 2008 rissen Wölfe 56 Nutztiere. Seit dem Wiederauftauchen des Wolfes in der Lausitz vor über zehn Jahren wurden etwa 35000 Euro Entschädigung an Schäfer ausgezahlt. Derzeit leben in der Lausitz nach Angaben des Umweltministeriums 40 bis 45 Wölfe. Bei drei Rudeln wurden bislang je drei Welpen nachgewiesen, auch ein Brandenburger Rudel hat Nachwuchs.

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