Mit Tieren in den und aus dem Urlaub
Immer wieder kommt es vor, dass Tiere aus dem Urlaub mitgebracht werden. Vor allem bei tierischen Mitbringseln aus südlichen Ländern sollten Sie einiges bedenken und beachten.
Von Tierarzt Michael Schneider
Neulich erst hat ein Lkw-Fahrer einen Hund aus Spanien nach Deutschland aus Mitleid und Hilfsbereitschaft mitgenommen. Der Hund war mitten in der Nacht von Leuten an die Stoß-stange seines Lkw angebunden worden. Der Fahrer hat die Hündin, einen Husky-Mischling, sofort in sein Herz geschlossen und sie kurzerhand trotz Verbot seines Chefs mit nach Deutschland genommen. In Deutschland angekommen hatte er das Problem, dass er den Transport geheim halten musste, einen Umweg zu sich nach Hause wegen der GPS-Ortung des LKWs nicht in Frage kam, er aber die Hündin nur in gute Hände abgeben wollte. Aus diesem Grund rief er mich an und fragte mich um Rat. Ich zögerte nicht lange und setzte mich mit der SOS Animal Hilfe in München in Verbindung und erhielt die Zusage, dass die Hündin und die Kosten von Transport und Behandlung von der SOS Animal Hilfe übernommen werden. Die Hündin wurde nach der Zusage schweren Herzens von dem Lkw-Fahrer in ein Taxi gesetzt und in die Tierklinik der Universität München gefahren. Dort untersuchte Frau Prof. Dr. Mathis die Hündin gründlich und stellte fest, dass sie neben einem Hautpilz, Milben auch noch Leishmaniose (ein einzelliger Blutparasit) hat. Die Hündin ist bis auf weiteres zur Behandlung in der Uniklinik in München. Nach der Behandlung wird sie in den Sonnenhof, eine Tierauffangstation bei Rottenbuch, gebracht und vermittelt werden.
Als Lehre aus diesem Fall kann man ziehen, dass es zwar nie verkehrt ist einen herrenlosen Hund oder Katze aus südlichen Ländern mitzunehmen, aber man muss sich bewusst sein, dass es dort Krankheiten und Parasiten gibt, die in Deutschland nicht vorkommen. Aus diesem Grund sollte jedes tierische Mitbringsel bald nach dem Urlaub einem Tierarzt zur Untersuchung und Testung auf Blutparasiten und andere Krankheiten vorgestellt werden.
Die Behandlung der Leishmaniose ( nicht ansteckend vom Hund auf den Menschen ) ist sehr langwierig und erstreckt sich über einen Zeitraum von vier bis sechs Monaten, einschließlich mehrmaliger Blutkontrollen im Labor. Bei einem anderen Hund, der letzten Herbst aus Kroatien nach Konstanz mitgenommen wurde, wurde sogar Tollwut diagnostiziert. Auf Anordnung des Veterinäramtes ( Tollwut ist eine anzeigepflichtige Krankheit) wurden der erkrankte Hund und zwei weitere nicht geimpfte Katzen (beide Freigänger, hatten Kontakt zu dem Hund und eine Quarantäne von sechs Wochen war nicht durchführbar) aufgrund der Tollwutverordnung eingeschläfert. Alle anderen Tiere, die Kontakt zu dem Hund hatten, wurden nachgeimpft und kamen in Quarantäne zur Beobachtung.
Außerdem bitte keine Tiere (Vögel, Reptilien usw.) im Urlaubsland kaufen und nach Deutschland mitnehmen, da sehr viele dieser dort angebotenen Tiere Wildfänge sind und Sie somit den Raubbau an der Natur nur unterstützen. Wenn Sie ein solches Tier mitnehmen wollen, benötigen sie für die Einfuhr unbedingt eine CITES - Bescheinigung (bedeutet, dass das Tier aus einer Zucht stammt). Am besten erkundigen Sie sich vor der Einfuhr beim Zoll oder Veterinäramt, ob das Tier unter das Washingtoner Artenschutzabkommen fällt oder nicht. Das erspart Ihnen Ärger, Frust und Geld.
Was muss ich beachten, wenn ich mein Tier in den Urlaub mitnehmen will?
Zuerst einmal muss mein Hund, meine Katze oder mein Frettchen zur eindeutigen Identifizierung gechipt bzw. tätowiert sein und ich brauche für den Grenzübertritt den blauen EU-Impfpass. Die Tiere müssen einen ausreichenden Impfschutz haben (die Tollwutimpfung muss mindestens vier Wochen alt sein und darf nicht länger als elf1 Monate her sein). Zur Abwehr von Sandmücken, Flöhen und Zecken (Übertragung von Krankheiten wie z. B. Leihmaniose) tragen Sie bitte ihrem Tier ein Abwehrmittel wie Fipronil oder Permethrin auf. Bei einigen Länder wie Großbritannien, Irland, Schweden und Norwegen sind Besonderheiten zu beachten. Alle diese Länder fordern die Bestimmung des Tollwuttiters im Blut. Zur Bestimmung des Tollwuttiters müssen sie mindestens vier Wochen (bei ausreichendem Impfschutz vor Tollwut) vor Reiseantritt Ihren Tierarzt aufsuchen. Er nimmt von Ihrem Tier eine Blutprobe und schickt diese an ein bestimmtes zugelassenes Labor. Ist der Tollwuttiter ausreichend, gilt dieses Zeugnis lebenslang für ihr Tier, vorausgesetzt Sie halten die vorgeschriebenen Impfintervalle gegen Tollwut (alle zwölf bzw. 24 Monate je nach Impfstoff ) regelmäßig ein. Großbritannien und Norwegen schreiben zusätzlich vor Reiseantritt und sieben Tage nach Einreise eine Entwurmung gegen Bandwürmer mit Praziquantel vor (Achtung! Nicht alle Wurmmittel, die Praziquantel enthalten, sind erlaubt, sondern es sind bestimmte vorgeschrieben!). Zusätzlich sollten Sie sich vor Reisebeginn eventuell ein Beruhigungsmittel für Ihr Tier bei Ihrem Tierarzt besorgen, damit die lange Fahrt oder der Flug für Ihr Tier weniger Stress bedeutet.
Ich wünsche allen Tierbesitzern und Ihren Tieren einen erholsamen und stressfreien Urlaub und dass Sie beide wieder gesund aus dem Urlaub zurück kommen.
Michael Schneider
Prakt. Tierarzt
Burglachbergstraße 6
86972 Altenstadt
Tel.: 08861 - 240878






