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Lucy ist wieder Zuhause


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Die störrische Lucy musste mit einem Harvester nach Hause gezogen werden. Foto: kra



Hadersried - Wie motiviert man ein sieben Zentner schweres, dickköpfiges Rindvieh dazu, seine Freiheit aufzugeben: Mit gutem Zureden - oder doch eher mit einem 15-Tonner?

Einfach an die Leine nehmen und abführen - das ist bei einem so sturen Rindvieh wie Lucy praktisch unmöglich. Das musste der niederbayerische Landwirt Joe Engelhardt nun feststellen. Denn Lucy wollte so gar nicht vom Leben in der Wildnis im Adelzhauser Forst lassen, zu süß schmeckte die Freiheit - auch wenn der Magen knurrte. Denn das Tier hatte sich mit einem Seil an einem Baum verfangen, dort wurde es wieder gefunden (wir berichteten) - und sollte nun heimkehren.

Doch das war kein leichtes Unterfangen. Mit einem Anhänger bis zur Fundstelle zu fahren, war unmöglich, Lucys Zuflucht war weit ab von Waldwegen. Der nächste Lösungsversuch kam von Engelhardts Mitarbeiter Thoralf Niepolski: Lucy mit einem „Harvester“ abschleppen. Ein Harvester ist ein Holzvollernter, fast sieben Meter lang, bis zu 15 Tonnen schwer, bringt rund 150 KW Leistung. Der Zufall wollte es, dass ein Waldarbeiter eine Wochenend-Schicht mit seinem Harvester einlegte, und zwar genau da, wo sich Lucy verkrochen hatte. Der walzte sein Gefährt unter lautem Getöse 20 Meter vor die Kuh.

Doch die zeigte sich trotz des metallischen Ungetüms unbeeindruckt. Die nächste halbe Stunde versuchten Engelhardt und seine Helfer, Lucy an dem Monster-Truck zu vertäuen. Vorne klemmten die Helfer ein Metallgatter hin, so dass Lucy nicht versehentlich unter die Räder kommen und die Kuhjäger sich relativ gefahrlos an das Rind annähern konnten.

Schließlich gelang es: Lucy wurde mit dicken Seilen am Harvester arretiert, die Fahrt Richtung Waldweg konnte starten. Es wurde ein langsames und mühseliges Unterfangen. Anfänglich sträubte sich die Kuh noch, musste dann aber doch einsehen, dass das motorisierte Urviech einfach stärker ist. Spannung kam dann wieder auf, als Lucy in den wartenden Hänger verfrachtet werden sollte: Das Rind wollte partout nicht in den dunklen Kasten - genau bei dieser Aktion war sie vor vier Monaten ausgebüchst.

Doch Engelhardt hat offensichtlich dazu gelernt: Nach einer fast dreistündigen Aktion schloss sich die Klappe hinter der abenteuerlustigen Kuh. Der Niederbayer schickt das eigenwillige Tier nun auf eine ruhige Weide zu einem „geduldigen und gutwilligen Bullen“, wie er sagt: „Bei dem wird sie sich von ihren Abenteuern erholen.“ Und im März soll die Kuh dann kalben. Daheim.

(Horst Kramer, www.merkur-online.de)

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