Leishmaniose
Die Tropenkrankheit Leishmaniose ist in Europa immer mehr auf dem Vormarsch und gehört in der BRD zu den am häufigsten importierten Krankheiten des Hundes.
Die Erreger, die Leishmanien, sind begeißelte Protozoen, die bei Hunden, Menschen und anderen Säugern Erkrankungen der Haut, der Schleimhäute und der Organe hervorrufen, die unbehandelt beim Hund oft tödlich verlaufen. Im mediterranen Europa kommt aktuell nur Leishmania infantum, der Erreger der visceralen Leishmaniose (Organ-Leishmaniose) in regional unterschiedlichen Subspezies (allein in Europa sind zehn bekannt) vor. Zur Entwicklung gehört ein Wirtswechsel zwischen Insekt und Warmblüter.
Übertragen werden die Protozoen nur von den weiblichen Sand- oder Schmetterlingsmücken (Phlebotomus perniciosus). Diese Mücke ist bis zu drei Millimeter groß und stark behaart. Sie ist nachtaktiv (eine Stunde nach Sonnenuntergang bis eine Stunde vor Sonnenaufgang) und summt nicht! Sie fliegt nicht bei starkem Wind (das kann sie aufgrund ihrer Winzigkeit nicht) und fehlt an der Küste. Angelockt wird sie von gelborangem Licht, wie es von Glühbirnen erzeugt wird. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über alle Länder rund um das Mittelmeer, Lateinamerika, aber auch einige Regionen in der Schweiz und Süddeutschland (westl. Baden-Württemberg) sind betroffen. Im Jahr 2005 lag die Infektionsrate bei Hunden beispielsweise in Nordspanien und Italien bis zehn Prozent, in Südfrankreich bis 20, in Südgriechenland 25, in Andalusien bei 42 und auf Sizilien bis 80 Prozent. Je nach Wetterlage ist sie von April/Mai bis September/Oktober aktiv.
Die Mücke nimmt den Erreger beim Saugakt (als Erregerreservoir gelten Hund, Nager, Mensch) auf. Innerhalb von 4 bis 25 Tagen entwickelt sich in ihr das infektiöse Stadium der Leishmanien. Sticht sie nun ein Säugetier, erfolgt die Übertragung praktisch sofort. Die Leishmanien dringen in zirkulierende Makrophagen ein - was durch eine Substanz im Insektenspeichel erleichtert wird -, entwickeln sich dort weiter und vermehren sich. Schließlich zerplatzen die Zellen und neue werden infiziert. Durch den intrazellulären Parasiten kommt es zu einer extremen Immunantwort im Wirt, durch die es zu einer Entzündung in den Nieren (Glomerulonephritis) oder den Gelenken (Polyarthritis) kommen kann.
Hunde sind sehr empfänglich für die Leishmaniose, wesentlich mehr als der Mensch. Die Inkubationszeit beträgt drei Monate bis zu acht Jahren. Bei Stress oder Schwächung des Immunsystems kommt die Krankheit zum Ausbruch. Hunde erkranken im Allgemeinen an der visceralen Form, die Hautsymptome entstehen nach einigen Autoren sekundär. Die klinischen Erscheinungen hängen sehr von der Lokalisation der Parasiten und des Immunstatus des Hundes ab. Sie können stark variieren, zuweilen fehlen charakteristische Symptome ganz. Meist fällt starker Gewichtsverlust bei normalem oder gesteigertem Appetit auf, es kommt zu Erbrechen und Durchfall, Polyurie, Muskelschwund, respiratorische Symptome, Nasenbluten und Mattigkeit. Das Fell wird schütter. Hochverdächtig ist eine nicht juckende Dermatitis um die Augen (Brillenbildung), auf dem Nasenrücken und den Ohrrändern, die mit Schuppenbildung und kleieartigen Belägen einhergeht. Die Krallen werden überlang, deformiert und brüchig. Es kommt zur Lymphknoten- und Milzvergrößerung, Ikterus, geschwollenen und schmerzhaften Gelenken sowie zur Entzündungen am Auge (Blepharitis, Uveitis, Konjunktivitis).
Die Diagnose ist oft nicht einfach zu stellen, der Nachweis von Antikörpern gelingt frühestens drei Wochen nach Infektion, ein hoher Titer ist meist erst nach Monaten erreicht (aber noch vor dem Ausbruch der Krankheit). Die Antigene der einzelnen Subspezies lassen sich nicht immer mit den gleichen serologischen Methoden nachweisen. Die Veränderungen im Blutbild sind nicht beweisend. Die endgültige Diagnose wird durch einen direkten Erregernachweis aus Feinnadelaspiraten von Lymphknoten oder Knochenmark oder aus Abklatschpräparaten von nässenden Hautläsionen gestellt.
Die Therapie der Leishmaniose des Hundes ist wesentlich schwieriger als beim Menschen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, bei keiner wurde aber bisher eine Eliminierung des Erregers erreicht. Die Prognose ist vorsichtig zu stellen. Ein Verschwinden der klinischen Symptome ist möglich, aber meist muss mit Rückfällen gerechnet werden.
Da es keine Impfung gibt, ist die einzige Prophylaxe, wenn man seinen Hund in gefährdete Gebiete verbringen muss, dass die Sandmücken am Stechen gehindert werden. Beim Tierarzt sind geeignete spot-on-Präparate oder ein Protector-Halsband mit einem repellierenden Wirkstoff, die eine gute Schutzwirkung besitzen, erhältlich. Vor Ort sollte der Hund in Zeiten, in denen die Mücken fliegen (siehe oben), möglichst nicht ins Freie gelassen werden. Auch ein Gazegitter am Fenster (Maschenweite < 4mm) ist günstig. Da sich die Mücken tagsüber in bodennahen Schattenplätzen (Mäuselöcher, Mauernischen) verstecken, sollte man den Hund von diesen fernhalten.
Wer einen Hund aus einem gefährdeten Land mit nach Hause nimmt oder über eine Tierschutzorganisation vermittelt bekommt, sollte unbedingt einen zweimaligen Bluttest auf Leishmaniose machen lassen, damit bei positiven Befund eine Therapie rechtzeitig eingeleitet werden kann.
D.K., 2008
Literatur:
Beelitz, Pamela, 2005: Reisekrankheiten beim Hund
Chmielorz, Heike, 2005: Gefährliche Urlaubssouveniers
Guetta, Franck et al., 2002: Diagnostik und Verlaufskontrolle der caninen Leishmaniose
Luckschander, Nicole, 2007: Polyarthritis & Leishmaniose
Synlab Labordienstleistungen, 2008: Leishmaniose






