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Kater Oscar spürt den Tod

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Kater Oscar dreht seine Runde im Steere Hourse Pflegeheim. Foto: AP

Legendär ist Kater Oscar, der den nahenden Tod alter Menschen spüren soll. Ein Altersforscher hat ihn fünf Jahre lang beobachtet und Erstaunliches herausgefunden.

Von FOCUS-Online-Autor Tobias Birzer

Wenn Kater Oscar sich im Pflegeheim Steere House in Providence, US-Bundesstaat Rhode Island, an einen der schwer demenzkranken Patienten schmiegt, wissen die Pfleger, dass sie die Angehörigen verständigen sollten. Denn Oscar verfügt über eine fast mystische Gabe. Er kann offenbar den nahenden Tod der alten Menschen spüren. Dr. David Dosa, Facharzt für Altersheilkunde, hatte zunächst seine Zweifel, als er das erste Mal von der Geschichte hörte. Doch diese Zweifel schwanden, als er und seine Kollegen innerhalb von fünf Jahren 50 Fälle dokumentierten, in denen der Kater den Tod korrekt gespürt hatte.

In einem Artikel in der Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine” hatte Dosa vor drei Jahren die Geschichte von Oskar erstmals publik gemacht und weltweit für Aufsehen gesorgt. Nun hat der Mediziner ein Buch über seine Erlebnisse mit Oscar veröffentlicht. Die Geschichte fasziniert die Menschen. Doch ist die angebliche Gabe von Oscar ein übernatürliches Phänomen, oder gibt es dafür eine wissenschaftliche Erklärung? Oder ist das Ganze am Ende gar reiner Mythos, das Gespür der Katze nur Zufall?

Skeptische Stimmen gibt es genug. „Wie solide ist eigentlich die Basis für die Behauptung, die Katze könne den Tod vorausahnen?”, fragt zum Beispiel Bernd Harder von der „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften”. Seiner Ansicht nach sind viele Detailfragen im Fall „Oscar” unklar, etwa, ob die Katze ungehinderten Zugang zu allen Patienten hat, oder ob sich die Zimmer der Betroffenen nicht aus anderen Gründen als Katzen-Besuchsort anbieten. „Bevor etwas Übernatürliches in Erwägung gezogen wird, sollten erst einmal alle natürlichen Erklärungsmöglichkeiten restlos ausgeschöpft sein. Und das sind sie in diesem Fall noch nicht”, sagt Harder.

Berichte, nach denen Tiere bestimmte Ereignisse wie mit einem sechsten Sinn vorausahnen und sich seltsam verhalten, gibt es immer wieder. So sollen etwa bei dem verheerenden Tsunami in Südostasien 2004 viele Tiere geflohen sein, bevor die Flutwelle das Festland erreichte. Vielleicht spürten die Tiere bereits die Erschütterungen durch das Seebeben, das den Tsunami auslöste.

Im Falle von Oscar verhält es sich vermutlich ähnlich. Silvio Daniel Pitlik von der Sackler School of Medicine der Universität Tel Aviv stellte vergangenes Jahr in einem Fachartikel fest, dass die meisten Patienten, zu denen sich Oscar gesellte, an der Friedländer-Pneumonie, einer gegen Antibiotika resistenten Lungenentzündung, gestorben sind. Er vermutet deshalb, dass der Kater den Geruch dieser bakteriellen Infektion wahrnimmt. Der Beweis für diese Vermutung lässt sich jedoch kaum erbringen. „Es gibt einfach keine wissenschaftlich belastbaren Daten, mit denen man eine solche Fähigkeit der Katze nachweisen könnte”, erklärt Peter Kappeler, Professor für Verhaltensökologie und Soziobiologie an der Universität Göttingen. Allein an einem Einzelfall unter Hunderten von Millionen Hauskatzen sei dies mit wissenschaftlichen Methoden nicht nachvollziehbar, meint der Wissenschaftler.

Der Biologe Jürgen Heinze vom Institut für Zoologie der Universität Regensburg hält Pitliks Verdacht für naheliegend. „Vermutlich hängt es mit dem Geruchssinn des Tieres zusammen”, meint er. Tatsächlich glauben viele Wissenschaftler, dass Tiere Krankheiten wittern können. So haben verschiedene medizinische Studien ergeben, dass Hunde unterschiedliche Krebsarten anhand des Geruchs der Patienten unterscheiden können und dabei die Krankheit bereits in einem sehr frühen Stadium erkennen. Allerdings konnten die Wissenschaftler auch hier bisher nicht feststellen, was genau die Tiere bei den Krebskranken riechen.

David Dosa vermutet jedenfalls, dass auch Oscar Gerüche wahrnimmt, die vielleicht von sterbenden Zellen abgesondert werden. Andererseits könnte es seiner Meinung nach auch sein, dass der Kater nur die Krankenschwestern nachahmt, die ihn aufgezogen haben, wenn er die todkranken Patienten besucht. In seinem neuen Buch sucht Dosa nicht nach der endgültigen Erklärung für Oscars Verhalten. Ihm geht es mehr um die positive Wirkung, die Oscar auf die Patienten und ihre Angehörigen ausübt. „Die Leute finden wirklich großen Trost in der Vorstellung, dass dieses Tier da war, als ihre geliebten Angehörigen oder Freunde starben”, erklärt Dosa.

David Dosa:
Oscar. Was uns ein Kater über das Leben und das Sterben lehrt.
Droemer Verlag, München 2010.
256 Seiten, 16,95 Euro



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