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Josephine, das verwaiste Biber-Baby

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Biber-Baby Josephine. Foto: Birgit Gleixner

Freising - Josephine lebt in einem Karton und ernährt sich von Sahne, Milch und Haferflocken. Was sich nach schlimmem Schicksal anhört, ist eine Tiergeschichte mit Happy End.

Überall in der Küche liegen frische Weidenzweige herum. Ein Holzfuß des antiken Küchenschranks ist schon gefährlich abgenagt. Kein Wunder, ist die Küche von Joe Häckl und Patrizia Köhler in Freising doch seit vier Wochen das Revier von Josephine. So hat das Pärchen ihren Untermieter genannt - auch wenn noch nicht eindeutig festzustellen ist, ob es sich bei dem schätzungsweise sieben Wochen alten Biber um Männchen oder Weibchen handelt.

Mehr Bilder von Josephine.

Freunde des Paares fanden das Biber-Baby beim Spaziergang in den Isarauen bei Dirnismaning. Was tun? Ein Anruf beim Bund Naturschutz half weiter: Noch zwei oder drei Stunden warten, ob die Mutter auftauche. Als das nicht der Fall war, packte das Paar den abgemagerten Nachwuchs-Nager ein und übergab ihn Joe Häckl. Häckl ist seit seinem zwölften Lebensjahr ein echter Biber-Fan. “Wir mussten gar nicht lange überlegen”, schildert Häckl seine Reaktion. Und seitdem wohnt Josephine in Freising, hat sich bestens eingelebt. Von 800 Gramm zu Beginn hat der Biber jetzt dank guter Ernährung kräftig zugelegt, bringt inzwischen 1600 Gramm auf die Waage.

“Es ist wie mit einem Kind”, erzählt eine völlig hingerissene Köhler (”Sie ist so furchtbar lieb und süß”). Denn seit Einzug der Untermieterin schlafen Köhler und Häckl abwechselnd auf der Küchenbank. Alle zwei Stunden aufstehen, Futter hinstellen oder Josephine auch mal in ein Wasserbad setzen - das alles gehört in der Nacht dazu. Tagsüber ist es einfacher: Da schläft Josephine, die ein leicht unwilliges Fiepsen hören lässt, wenn man sie aus ihrer Schlafstätte unter dem Pappkarton hervorholt.

Aber das muss sein, denn am Abend ist Freigang angesagt: Hinter dem Haus gibt es einen schönen Garten mit allerlei Verstecken für Josephine, und hat man ihr inzwischen auch einen Pool gebaut - selbst wenn Schwimmen nicht gerade zu den Vorlieben des kleinen Bibers gehört. Aber Häckl ist hart, setzt seinen Zögling immer wieder vorsichtig ins Wasser. Schließlich muss Josephine schwimmen und tauchen lernen, soll sie doch nicht “der erste wasserscheue Biber der Welt” werden, wie Köhler sagt. Zum Putzen und Trocknen freilich gibt es für Josephine kein schöneres Plätzchen als den Schoß von Köhler oder die herrlich weiche Gartenstuhlauflage.

Immer wird Josephine freilich nicht bei ihren Zieheltern bleiben können. Wie der Biberbeauftragte des BN, TU-Professoren, Studenten und alle, die inzwischen zu Josephine gepilgert sind, sagen, kann man einen Biber bis zum Alter von zwei Jahren wieder auswildern. Dann hat Josephine 35 Kilo und ist wohl doch etwas zu groß für eine Wohnung. Anfragen von Wildparks gibt es schon. “Das wird schrecklich”, weiß Köhler schon jetzt über den Zeitpunkt der Trennung. Spricht’s und lässt sich von Josephine zärtlich in der Armbeuge anknabbern.

Andreas Beschorner/merkur-online.de


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