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Im Kampf gegen das Katzenelend

miech1Gleich geht die Sonne unter. Mit den aufziehenden Nebelschwaden wird es kälter und kälter. Lydia Miech steht auf einem Bauernhof in Niederroth (Landkreis Dachau) und präpariert die Katzenfalle. Ein Löffel Dosenfutter kommt in das Schälchen. Dann wickelt Lydia Miech aus einer Alufolie den besonderen Lockstoff aus: „Frisches Grillhähnchen, das riecht besonders gut, wenn es noch warm ist.” Sie zerpflückt das zarte Fleisch und streut es über das Dosenfutter.

„Vor 14 Tagen haben wir hier schon neun Katzen gefangen”, berichtet Lydia Miech, 58 Jahre alt. Sie kämpft gegen das Elend der wilden Katzen. Um ungewollten Nachwuchs zu verhindern, fängt sie die Katzen ein und lässt sie kastrieren. Nach zwei Tagen kommen die Katzen wieder zurück in ihre vertraute Umgebung. Die Kastration ist die einzige Möglichkeit, der explosionsartigen Vermehrung Herr zu werden. Und damit auch dem Elend der wilden Katzen. Ein Beispiel: Eine Kätzin, ein knappes Jahr alt, abgemagert, mit chronischem Katzenschnupfen, verwurmt, wird trächtig. Wenn die Jungen auf die Welt kommen - in unzähligen Fällen sterben schwache Mütter bei der Geburt -, haben auch sie schnell Katzenschnupfen, verklebte Augen und Durchfall. Die Kleinen verenden qualvoll. Oder der Katzennachwuchs wird von Menschenhand getötet. „Das ist zwar glücklicher Weise weniger geworden, dafür werden die kleinen Kätzchen oft wahllos, ohne vorherige Platzkontrolle, verschenkt”, so Lydia Miech. Was für die Tiere oft nur wenig besser ist: Menschen, die von verantwortungsbewussten Tierschützern aus gutem Grund als Katzenhalter abgelehnt werden, kommen so doch noch zu ihrem Stubentiger. Und die Katzen enden womöglich wegen mangelnder Fürsorge meist unkastriert wieder auf der Straße oder auf einem anderen Bauernhof.

Die frisch präparierte Katzenfalle postiert Lydia Miech in der Scheune. Dann geht sie zurück zum Auto, in dem sich Transportkäfige, Ersatzbehälter und Katzenfutter stapeln. Die Tierschützerin wirft einen Blick in ihr Heft. Hier sind alle Katzen, die sie jemals gefangen hat, mit fortlaufender Nummer aufgelistet. „Mit meiner Initiative gegen das Katzenelend versuche ich, den Kreislauf zu unterbrechen”, sagt Lydia Miech, Mitglied in dem Münchner Verein „Bund der Katzenfreunde”. Seit rund zwölf Jahren fängt die Tierschützerin auf Bauernhöfen, Industriegeländen und Schrebergartenanlagen in den Landkreisen Dachau und Fürstenfeldbruck Katzen ein. Rund 200 Katzen tappen jährlich in eine ihrer Fallen.

Auf dem Hof in Niederroth weiß Lydia Miech genau, wer ihr noch fehlt: eine schwarze Katze und eine mit einem halben Schwanz. Sie kontrolliert die Falle in der Scheune und eine weitere außerhalb des Stadels an einem Gebüsch - beide sind noch leer. „Es ist wichtig, dass die Fallen überwacht werden, weil die Katzen einen irrsinnigen Schock erleiden, wenn sie eingefangen werden, gegen die Fallenwände rennen und sich dabei verletzen. Deshalb und auch aus anderen Gründen ist es absolut verantwortungslos, Fallen ohne Überwachung aufzustellen”, erklärt Lydia Miech. Sobald eine Katze in der Falle sitzt, wird ein großes Tuch drüber geworfen, „dann werden die meisten gleich ganz ruhig”. Mittlerweile ist es dunkel. Mit kalten, steifen Händen räumt Lydia Miech die Kisten im Auto um, holt einen so genannten Umsetzer heraus - und hofft, doch noch eine Katze zu fangen. Doch die Hoffnung schwindet: „Jetzt im Dunkeln und bei der Kälte haben sich die Kätzchen meistens schon ein gemütliches Nachtlager gesucht.”

Natürlich ist Lydia Miech auf die Zusammenarbeit mit den Bauern angewiesen. Im Vorfeld redet sie mit den Landwirten. „Die Bauern wissen meistens ungefähr, wie viele Katzen sich auf ihrem Hof herumtreiben.” Die Katzen leben auf den Höfen im Familienverband, haben ihre Freunde. „Viele Leute denken, dass diese Katzen an bessere Plätze vermittelt werden müssen”, aber das ist falsch verstandene Tierliebe, erklärt Lydia Miech. „Für eine scheue Katze ist es der größte Stress, irgendwo kaserniert zu werden. Ihr größtes Glück ist die Freiheit. Wichtig ist, dass die Tiere warme Unterkünfte wie Ställe oder Heuböden sowie ausreichend Futter zur Verfügung haben. Wo dies nicht der Fall ist, wie in Industriegebieten, sorge ich durch Aufstellen von gut isolierten Schlafhütten für eine wetterfeste Unterkunft und kümmere mich um die regelmäßige Versorgung mit Futter. Eine Bauernkatze braucht keine Seidenkisserl.”

Genauso eine Bauernkatze sitzt beim nächsten Kontrollgang in der Falle in der Scheune. Den duftenden Nachtisch hat sie sich schmecken lassen. Jetzt wirft Lydia Miech ein Tuch über den Käfig und trägt ihn zum Auto. Währenddessen redet sie beruhigend auf die Katze ein. „So eine Brave bist du, ganz ruhig, es passiert dir nichts.” Sie stellt die Falle ab und holt eine Taschenlampe aus dem Auto. „Hast du grüne Ohren?”, will die Katzenmutter wissen. Sie lupft das Tuch ein wenig zur Seite und leuchtet kurz in den Käfig. Zwei angstvoll aufgerissene Augen leuchten im Lichtpegel, ein kleines, dünnes, braun getigertes Kätzchen sitzt zusammengekauert im Eck. Nein, keine Tätowierung. Lydia Miech setzt die Katze um in die Transportkiste. Dazu wird die Kiste an die Falle „angedockt”, die beiden Türen nach oben geöffnet. Jetzt lockt Frau Miech das miech2Tier. Das Kätzchen huscht in die Kiste. Sobald die Miezi sicher im Auto verstaut ist, geht es ab zum Tierarzt nach Dachau-Ost. In der Praxis Dr. Steinecke wird in hoher Stückzahl kastriert, sagt Lydia Miech. „Und die Ärzte und Helfer gehen super mit den wilden Katzen um.” Am Abend bringt Lydia Miech ihre Patienten. Am nächsten Tag werden die Katzen kastriert, tätowiert, entwurmt, außerdem werfen die Tierärzte einen Blick auf Zähne und Allgemeinzustand - „ein kleiner Rundum-Check”. Am Tag darauf holt Lydia Miech ihre Schützlinge wieder ab - außer, eine Katze ist krank und bedarf weiterer Pflege - und lässt sie auf deren Hof wieder raus. „Das ist für mich der schönste Moment.” Wenn die Hofkatzen den „Heimkehrer” begrüßen, wenn sie die Köpfe aneinander stoßen, da geht Lydia Miech das Herz auf.

„Ich war immer schon ein Mensch, der Tiere geliebt hat. Und bei Katzen ist es halt eine spezielle Liebe”, sagt sie und lächelt. Mit wilden Katzen ist sie auf dem Firmengelände ihres früheren Arbeitgebers in Kontakt gekommen. „Ich habe sie immer mitgefüttert”, erzählt sie. Sie sieht die explosionsartige Vermehrung und das Katzenelend mit eigenen Augen und beginnt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Bald kommt sie zu den „Katzenfreunden”. Natürlich hat Lydia Miech auch daheim einige Samtpfoten. Seit Januar ist die Tierfreundin im Vorruhestand - und widmet ihre ganze Zeit den Katzen. Doch nicht nur Zeit kosten die Miezen: Die Finanzierung der Kastrationen und tierärztlichen Behandlungen stellt eine stete Sorge für Lydia Miech dar. Oft greift sie dafür auch in die eigene Tasche. „Manchmal kommt auch eine größere Spende, mit der ich einen Teil der Unkosten wieder decken kann.” Sie ist dringend auf Spenden angewiesen.

Genauso wie die kleine Hofkatze auf Lydia Miech angewiesen ist. Zwei Tage später ist sie wieder auf ihrem Bauernhof in Niederroth, bei all den anderen Katzen, in ihrem sozialen Umfeld, in ihrer vertrauten Umgebung. Und auch Lydia Miech wird bald wieder hier sein. Schließlich fehlen immer noch die schwarze Katze und die mit halbem Schwanz.

(no)

Wer Lydia Miech und ihre „Initiative gegen das Katzenelend” unterstützen will, kann spenden an:
Bund der Katzenfreunde e.V.
Kreissparkasse München Starnberg
Konto-Nr. 973 26 29

BLZ 702 501 50Verwendungszweck: Lydia Miech, Kastrationsaktionen Lk Dachau

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