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Geburtshilfe bei der Katze

geburtshilfeVon Tierarzt Michael Schneider

Bevor ich über einen Fall aus meiner Praxis berichte, möchte ich zuerst über ein paar grundlegende Daten zur Trächtigkeit und Geburt bei der Katze berichten.

Die Katze wird mit fünf bis sieben Monaten geschlechtsreif und ist bereit, sich zwei bis drei Mal im Jahr (besonders von Februar bis Juli) mit dem Kater zu paaren. Diese Paarungsbereitschaft nennt sich Rolligkeit, da die Katze während dieser Zeit vor den Füßen des Besitzers umherrollt, sehr anhänglich ist, viel maunzt und kleine Mengen Urin absetzt. Die Rolligkeit dauert ohne Deckakt durch den Kater 14 bis 21 Tage, mit Deckakt nur fünf Tage, wobei bei der Katze mit dem Deckakt der Eisprung ausgelöst wird. Dieser hat immer, soweit keine angeborene Sterilität vorliegt, eine Trächtigkeit der Katze zur Folge.

Die Trächtigkeitsdauer beträgt in der Regel 60 Tage (es gibt aber Rasseunterschiede bei der Dauer) und mündet in die Geburt von drei bis sechs Welpen (eventuell auch mehr). Die herannahende Geburt äußert sich in gewisser Unruhe der Katze und beginnt mit dem Nestbau bzw. mit der Suche nach einem Ort für die Geburt (z.B. im Wäscheschrank auf den weißen Betttüchern). Als anatomische Veränderung kommt es zu einer Ödematisierung (Wassereinlagerung) in die Schamlippen, die Milch schießt in die Zitzen ein und die Körpertemperatur sinkt 12 bis 24 Stunden vor der Geburt um 1,5 Grad Celsius auf 37 Grad Celsius.

Die Geburt selbst beginnt mit einer Eröffnungsphase, in der dünnflüssiger Schleim unter leichter Wehentätigkeit abgeht. In dieser Zeit (drei bis zwölf Stunden) braucht die Katze Ruhe. In der Austreibungsphase werden die Wehen stärker (Presswehen) und der Zeitabstand kürzer zwischen den einzelnen Wehen. Die Welpen werden zu 95 Prozent mit dem Kopf voraus (Vorderendlage) geboren, nur fünf Prozent der Welpen kommen in Hinterendlage (Hinterfüße, Schwanz und Becken zuerst) zur Welt. Durch alternierendes Öffnen und Schließen der beiden Hörner der Gebärmutter erfolgt die Austreibung der Welpen abwechselnd aus dem rechten und linken Horn. Zwischen der Geburt der einzelnen Welpen liegt eine Erholungsphase.

Nach der Geburt beleckt die Mutter den Kopf und den Körper des Neugeborenen - es wird sozusagen trocken geleckt - und frisst nach jedem Fetus die dazugehörige Nachgeburt auf. Die Welpen sind die ersten 14 Tage blind und ernähren sich bis zur vierten Woche ausschließlich von der Muttermilch. Ab der vierten Woche beginnen sie langsam, selbständig Katzenfutter (am besten spezielles Welpenfutter) zu fressen, und ab der achten Woche nach der Geburt kann eine Katze bereits wieder erneut rollig und somit trächtig werden.


Geburtshilfe bei der Katze kommt selten vor, aber wenn sie nötig ist, wird häufig ein Kaiserschnitt durchgeführt.

Mitte April dieses Jahres hat mich eine Besitzerin angerufen, dass bei ihrer Katze „hinten etwas herausschaut”. Bei einem anschließendem Hausbesuch ergab sich, dass die Katze - erstgebärend - bereits am Tag zuvor nachmittags drei Katzenwelpen lebend zur Welt gebracht hatte. Bei einer eingehenden Untersuchung der Katze entpuppte sich das heraushängende Teil als der Schwanz eines vierten Welpen, der im Geburtskanal in Hinterendlage steckte. Nach einer Wehenspritze (Oxytocin) nahm ich die Katze mit in die Praxis und legte sie in Narkose. Anschließend drückte ich mit Hilfe einer Spritze und einem entsprechendem Aufsatz rund 40 ml Gleitgel in die Scheide und den Geburtskanal. Bedingt durch das Gleitgel konnte ich unter seitlichem Drehen und vorsichtigem Zug den Welpen entwickeln und langsam aus der Scheide und dem Geburtskanal herausziehen. Zugleich floss mit dem toten Welpen aus der Scheide ein dunkel gefärbtes, übel riechendes Sekret ab.

Aufgrund der Sekretbeschaffenheit entschloss ich mich bei der Katze zur operativen Entfernung der Gebärmutter und der Eierstöcke mit dem Ziel, somit das Leichengift aus dem Körper der Katze zu entfernen. Trotz einer Infusion zur Ausschwemmung der Toxine und Stabilisierung des Kreislaufs und Antibiotika- und Schmerzmittelgaben verstarb die Katze noch in der Nacht - wahrscheinlich an Nierenversagen bedingt durch das Leichengift des toten Welpen. Die drei jungen lebenden Katzenwelpen wurden dann mutterlos mit der Flasche aufgezogen.

Wenn bei der Katze Geburtshilfe notwendig ist, dann ist rasches Handeln eines Tierarztes erforderlich, da meistens bei der Geburtshilfe der Katze ein Kaiserschnitt notwendig wird - das macht dieser Fall deutlich. Geschwächte Muttertiere (zu lange in den Geburtswehen, Giftstoffe eines toten Welpen) haben selbstverständlich nur eingeschränkte Überlebenschancen. Ansonsten stehen die Aussichten gut, dass Muttertier und Welpen den Kaiserschnitt überleben.


Michael Schneider
prakt. Tierarzt
Burglachbergstraße 6
86972 Altenstadt
Tel.: 08861 / 240878


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