Geboren, um zu sterben
Geboren, um zu sterben: Zahllose Katzenbabys erblicken jedes Jahr das Licht der Welt, die meisten von ihnen unerwünscht. Sie streunen umher, sind krank, voller Parasiten, halb verhungert, werden überfahren, erschossen oder sterben jämmerlich. Die Überlebenden sind schnell geschlechtsreif und gebären mindestens zweimal pro Jahr fünf oder sechs Kätzchen.
So beginnt der Teufelskreis, den viele Tierschützer zu durchbrechen versuchen. Das A und O, um unerwünschten Nachwuchs zu verhindern, sind Kastrationen. In groß angelegten Aktionen fangen Tierschützer vor allem halbwilde Katzen, die beispielsweise auf Bauernhöfen leben, ein und lassen sie kastrieren - im Kampf gegen das Katzenelend.
Doch die einzige Möglichkeit, auf lange Frist und dauerhaft einen Ausweg aus diesem Katzenelend zu finden, ist die Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen. Im Gegensatz zu Österreich, wo bereits seit 2005 ein Kastrationsgebot gilt, ignoriert der Bundesgesetzgeber in Deutschland die Not der Katzen auf den Straßen. Die Stadt Paderborn bildete vor eineinhalb Jahren den Vorreiter: Katzen, sich regelmäßig im Freien bewegen, müssen dort systematisch kastriert und mit einem Mikrochip versehen werden. Inzwischen folgte auch die Stadt Düsseldorf.
Tierschützer haben eine Katzenschutzverordnung erstellt und fordern eine bundeseinheitliche Regelung. Schließlich geht es um den Schutz von Mensch und Tier gleichermaßen. Wenn die Katzen-Population unkontrolliert ansteigt, könnte es soweit kommen, dass die Tierheime einen Aufnahmestopp verhängen. Die Katzen suchen nach Nahrung und belagern Spielplätze und Sportanlagen. Sie können die Gesundheit der Menschen dort gefährden, zum Beispiel durch Krankheitserreger.
Hintergrund: Tierschützer fordern Katzenschutzverordnung für Deutschland
Aus www.katzenschutzverordnung.de
Die Lage spitzt sich zu! Immer öfter müssen Tierheime und Tierschutzvereine wegen Überfüllung und/oder Finanznot die Aufnahme von Haustieren ablehnen. Da passt das Erlebnis der „Interessengemeinschaft Pro Katzenschutzverordnung” ins gegenwärtige Bild.
Margit Mayr, Mitgründerin der Interessengemeinschaft Pro Katzenschutzverordnung, wurde eine Fundkatze gemeldet. Drei Kinder gingen mit dieser Katze an der Leine und mit Suchzetteln durch die Innenstadt. Die Kinder haben auch im zuständigen Tierheim angerufen. Dort wurde ihnen gesagt, das Tierheim habe - wie viele andere - Aufnahmestop.
Und hier nehmen wir die Politik in die Pflicht. Es könne doch nicht sein, dass Städte, Gemeinden und Politiker sich ihrer Verpflichtung dem Tierschutz gegenüber entziehen oder nicht genügend nachkommen, übt Margit Mayr heftige Kritik. „Soll man solche Tiere unversorgt in der Innenstadt auf der Straße lassen?”, fragt sie. Ihre Forderung ist klar formuliert: Rechtssicherheit für Tierschützer, die als praktische Garanten der im Grundgesetz verankerten Staatszielbestimmung nachkommen sowie praxisbezogene Vergütung für die Aufnahme und Versorgung von Fundtieren der Tierheime. Doch das allein reiche nicht aus, erklären die Tierschützer. So setzt die Interessengemeinschaft Pro Katzenschutzverordnung sich ein, Katzenhaltung bundesweit verbindlich gesetzlich zu regeln. Ihre Vorschläge: eine Kastrationspflicht männlicher und weiblicher Freigängerkatzen ab dem fünften Monat, eine deutschlandweite Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht und eine bundeseinheitliche Katzenschutzverordnung im Tierschutzgesetz und Mindesthalteanforderungen (siehe TVT) klar definieren „Damit würde man den Tieren viel Leid ersparen und den Steuerzahler erheblich entlasten”, sind sich die Tierschützer sicher. Nur Menschen, die nachweislich Verantwortung für unsere Mitgeschöpfe tragen können, sollten diese auf Antrag produzieren dürfen. Diese Tiere können als unkastrierte Tiere gekennzeichnet und registriert sein, belasten somit weder Mensch, Tier noch Umwelt.
Ein großes Problem sind aber auch die vielen - als sogenannt “herrenlos” abdegradierte - Hauskatzen, denen kein verantwortlicher Halter mehr zuzuordnen ist. Hier komme es immer wieder zum Eklat zwischen Tierschützern und Behörden, weiß der Tierschutzexperte Robert Derbeck vom Tierschutzverein Noris e.V. und Mitbegründer der Interessengemeinschaft Pro Katzenschutzverordnung zu berichten. „Manche Städte und Gemeinden erkennen Katzen als Fundtiere gar nicht erst an.” Regelmäßig gebe es deshalb Streitigkeiten zwischen Tierschützern und Behörden im Hinblick auf die rechtliche Differenzierung von Fundkatzen und herrenlosen Katzen.
Sonja Stahl von der Katzenhilfe-Westerwald e.V. ist sich sicher, dass exakt diese Unwissenheit und/oder Ignoranz der Hauptmultiplikator für das vorherrschende Leid ist, mit dem wir tagtäglich bundesweit konfrontiert werden, was so nicht mehr zu schultern ist. Sie wartet bis zum heutigen Tag auf Antwort der Politik, welchem Gesetz es zu entnehmen ist, dass Hauskatzen sogenannte herrenlose Tiere sein könnten. Das Bundesministerium wird erneut mit der Frage konfrontiert. Unsere Hauskatzen brauchen weder Mitleid noch Ausreden, sie brauchen Schutz und Durchsetzung ihrer Rechte und bundeseinheitliche Verordnungen. Dies alles wäre möglich, ohne auch nur einen Cent Steuergelder hierfür zu verschwenden. Die durch eine bundeseinheitliche Kastrations- und Kennzeichnungspflicht eingesparten öffentlichen Gelder könnten für Schutz von Mensch und Umwelt eingesetzt werden. Ordnungs- und Tierschutzbehörden könnten Einzelfälle leicht und unkompliziert aufklären, der Verwaltungsapparat könnte deutlich schlanker gestaltet werden und der soziale Unfrieden könnte sich in Luft auflösen. Tierleidproduzierer dürfen nicht länger staatlich subventioniert werden.
Auch Robert Derbeck beklagt fehlende Verordnungen. „Dieser Missstand führt dazu, dass bei den Katzen fruchtbare Tiere eine extrem hohe und ungewollte Population erzeugen.” Die Folge: Die Tierheime sind dauerhaft überfüllt mit Katzen und kämpfen am finanziellen Existenzminimum. Dieses und noch vieles mehr sei das Ergebnis unzureichender gesetzlicher Festlegungen, so Derbeck. Margit Mayr ergänzt: „Die Politiker tragen mit ihrem Zaudern dazu bei, dass die Lage mittlerweile fünf nach zwölf sei, es besteht enormer Handlungsbedarf!”






