RSS
RSS    |    Sitemap

Gebadet, eingeölt und verschwunden

weg-susi1Dachau - Fast 50 Jahre lang war die Maurische Landschildkröte Susi ein treuer Weggefährte der Familie Hoddow aus Edenpfaffenhofen bei Weichs. Auf Schritt und tritt ist sie Frauchen Regina Hoddow gefolgt. Bis sie eines Tages spurlos verschwand.

Seither werden die Hoddows nicht mehr froh. “Sie fehlt uns so furchtbar”, sagt die 82-jährige Regina Hoddow, die alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, ihre Susi wiederzufinden. Und das schon seit zwei Jahren, denn die Maurische Landschildkröte ist am 9. Juni 2007 weggelaufen. Ehemann Willi Hoddow hatte das gepanzerte Haustier an diesem Tag gerade frisch gebadet, geölt und in die Sonne gelegt. Er ist nur kurz zum Zaun gegangen, war nur wenige Minuten unaufmerksam, und schon war Susi verschwunden. “Alle Nachbarn und Leute aus dem Nachbardorf haben bei der Suche mitgeholfen”, erinnert sich die Seniorin. Die Bauern aus der Umgebung haben wochenlang nicht gemäht, weil niemand der Susi etwas antun wollte. “Es haben sie ja alle gekannt”, weiß Regina Hoddow. Suchplakate hat sie bis weit über die Gemeindegrenzen aufgehängt, bei sämtlichen Tierheimen in der Umgebung und bei der Reptilienauffangstation in München ruft die Edenpfaffenhofenerin seither regelmäßig an. Doch bisher ist ihre Susi nicht aufgetaucht.

“Wir vermuten, dass sie ein Autofahrer auf der Straße gesehen und mitgenommen hat, vielleicht jemand aus München”, glaubt die Seniorin, die sich sicher ist, dass eventuelle neue Besitzer mit der nötigen Pflege der Schildkröte nicht klarkommen. “Sie braucht sehr viel Aufmerksamkeit und ist sehr verwöhnt”, erklärt Regina Hoddow. Jeden Abend muss das Tier in lauwarmem Wasser gebadet und der Panzer gestreichelt werden, dann verrichtet es sein Geschäft. “Nach dem Abtrocknen ist sie unter die Eckbank gekrochen und hat geschlafen”, erzählt Regina Hoddow. Wie mit einem Hund sei sie mit Susi spazieren gegangen, ohne Leine. Susis Frauchen musste nur mit dem Finger wackeln, und die Schildkröte folgte ihr. Und wenn das Tier einen Besucher im Hause Hoddow nicht mochte, hat es erst einen Bogen um die Person gemacht und diese dann angepieselt.

Vor 51 Jahren, im Jahr 1958, hat Regina Hoddows Sohn - er war damals eineinhalb Jahre alt - die Schildkröte am Bahndamm in Unterpfaffenhofen bei Germering gefunden. Damals war das Reptil nur zwischen zwei und vier Zentimeter groß. Weil die Hoddows in der Mietwohnung, in der sie damals lebten, keine Haustiere halten durften, haben sie Susi zwischen zwei Sofakissen versteckt, nachts verbrachte sie im Bett des Sohns. 1970 ist die Familie aufs Land nach Edenpfaffenhofen gezogen, wo Susi im Garten ein Gehege hatte. Die Hoddows kamen auch ihrer Pflicht nach und ließen das Tier registrieren: Maurische Landschildkröten stehen unter Artenschutz.

Dass Susi einfach nicht mehr da ist, das kann Regina Hoddow kaum verkraften. Gerade gestern erst, dachte sie, sie hätte ihre Schildkröte gesehen, doch es war nur ein Stock. “Ich mache meinem Mann bis heute große Vorwürfe, dass er nicht auf Susi aufgepasst hat”, sagt die 82-jährige Frau. „Wenn jemand auch nur den leeren Panzer finden würde, und wir wüssten, dass sie tot ist, dann hätte die Suche wenigstens ein Ende.”

Auf Susis Finder wartet eine Belohnung. Wer meint, mehr über Susis Aufenthaltsort zu wissen, der kann sich an redaktion@tierfreunde.de wenden.

Mary-Jana Wege/Münchner Merkur

Kommentar schreiben 1346 Ansichten, 3 heute |
Ähnliche Artikel:

Kommentar schreiben

Sie müssen angemeldet sein um Kommentare zu schreiben.