Fall aus der Praxis: Seltene Schwanzverletzung

Die Ursache dieser Verletzung ist unklar. Foto: privat
Ein Fall aus der Praxis - Von Tierarzt Michael Schneider
Ende Juni diesen Jahres wurde mir in meiner Praxis eine Katze mit einer seltenen Schwanzverletzung, die zwei Nächte zuvor passiert war, vorgestellt. Die Katze, Freigängerin in einem Schrebergartengebiet, befand sich bei der Erstuntersuchung in einem gutem Ernährung - und Allgemeinzustand, und bis auf einer leichten Schwellung der Hals-lymphknoten und der Verletzung am Schwanz war die Katze unauffällig, schmerzfrei und wies keine weiteren Verletzungen auf.
Eine Untersuchung in Narkose ergab folgende Befunde :
Der Schwanz von Mausi war vom Schwanzansatz bis zur Spitze komplett ohne Haare, Haut, Gefäße und Muskulatur. Der Schwanz war bis auf den blanken Knochen abgestriffen, insgesamt auf eine Länge von circa 15 Zentimeter. Zusätzlich lag noch am ersten Schwanzwirbel eine Fraktur vor, und am Schwanzansatz hatte sich nach dorsal eine Hauttasche, circa ½ Zentimeter tief, gebildet.
Ich versorgte die Katze systemisch mit Antibiotika, Schmerzmittel und legte unter lokaler Antibiose an dem Schwanz einen gut gepolsterten Verband an. Im weiteren Behandlungsverlauf erneuerte ich anfangs zweimal, später einmal wöchentlich den Verband und versorgte die Wunde lokal antibiotisch bzw. mit einer antiseptischen Spüllösung, da die Wunde anfangs eiterte. Fünf Wochen nach Beginn der Behandlung riss sich die Katze plötzlich den Verband selber herunter (sie hatte den Verband vorher in Ruhe gelassen), mit der Folge dass zwei Drittel des Knochenstumpfes abfielen und der verbliebene Schwanz nur noch circa vier Zentimeter Länge hatte. Dieser restliche Schwanz heilte nun von Woche zu Woche besser zu. Von der Wirbelsäule kommend wuchsen langsam Haare über den Stumpf, wobei ich der Katze einen Verband ersparte und nur noch mit einem von der Besitzerin mehrmals täglich aufgetragenen Sprayverband arbeitete.
Die Ursache dieser seltenen Schwanzverletzung habe ich leider nicht herausgefunden, wobei ich anfangs ein Fangeisen vermutete. Die Katze hätte sich dann meiner Hypothese folgend selber durch gewaltsames Abstreifen der Haare, Haut, Muskulatur und Gefäße aus dem Eisen befreit. Die dabei erlittenen Schmerzen kann man sich nur annähernd vorstellen. Theoretisch wäre es möglich, beweisen kann ich es leider nicht. Bei einem Anruf bei der zuständigen Polizeiinspektion wurde meine Theorie als Hirngespinst verworfen und ich wurde mit der Bemerkung abgespeist, die Katze könnte sich ihren Schwanz auch in einer Tür eingeklemmt haben. Dagegen spricht meiner Meinung nach, dass die Katze sich aus ihrer misslichen Lage selbst befreit hat.
Anfangs habe ich mir auch eine operative Amputation des Schwanzes überlegt. Ich habe schließlich mich gegen eine Amputation entschieden, da zu Behandlungsbeginn unklar war, ob nicht noch eine Rückenmarksinfektion vorliegt und wieweit der verletzte Schwanz noch vom Körper versorgt wird.
Michael Schneider
prakt. Tierarzt
Burglachbergstraße 6
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Tel. : 08861 /240878








oh,die arme katze wenn mein´kater bobby das hätte,hätte ich mich schon umgebracht:-(