Ein Traumplatz für Odi - nur auf den ersten Blick
Lange hat der dreibeinige Odi darauf gewartet, und nun schien alles perfekt: Der schwarze Hund aus Serbien sollte einen Traumplatz in Kirchheim bei München beziehen. Mitarbeiterinnen des Vereins “Euro-pas” hatten den Platz vorher kontrolliert.
Niemals allein sollte Odi sein - die beiden Zwillingsschwestern arbeiten zeitversetzt, so dass immer jemand zu Hause sein würde. In seinem etwa vierjährigen Leben ist Odi nicht viel Gutes widerfahren: Er wurde in Belgrad mit einem zertrümmerten Vorderpfötchen gefunden, wahrscheinlich wurde er schwer geschlagen und misshandelt. Das Bein musste leider amputiert werden. Allerdings kommt er mit drei Beinen super zurecht, springt und läuft für sein Leben gerne. Dann lebte Odi zwei Jahre lang bei einer Familie, die schließlich umzog und den sensiblen Rüden nicht mitnehmen konnte. In einem Tierheim wäre Odi kaputt gegangen, umso dringender war die Vermittlung. Deshalb war die Freude groß, dass Odi einen Platz gefunden hatte.
Doch schon drei Tage, nachdem Odi eingezogen war, meldeten sie sich per E-Mail bei “Euro-pas”: Odi sei weggelaufen, sie hätten große Angst um ihn und bereits Polizei und Tierheim informiert. Nach einem Anruf beim Tierheim stellte sich heraus, dass keine Vermisstenmeldung vorlag - im Gegenteil: Die Schwestern hatten den Hund bei der Polizei in Kirchheim als Fundhund abgegeben. Die Beamten brachten Odi dann ins Tierheim.
Gegen die beiden Schwestern wurde sofort Anzeige erstattet, wie Claudia Jevti´c, Vorsitzende von “Euro-pas”, mitteilte. Außerdem warnt die Tierschützerin: “Es ist nicht auszuschließen, dass die beiden jungen Damen wieder einen Hund suchen.”
Wenige Wochen später hat Odi nun doch einen Traumplatz: Antonia Terhaag, die stellvertretende Vorsitzende, hat den dreibeinigen Hund bei sich aufgenommen. „Er kommt langsam zur Ruhe und genießt die Ausflüge, das Futtern und die Kuscheleinheiten”, berichtet sie. Odi versteht sich blendend mit den anderen beiden Hunden, ist völlig angstfrei gegenüber Menschen und sehr gelehrig - er springt schon von selber in die Tragetasche, wenn er weiß, dass es ins Treppenhaus geht.
Die Vermittlung von Tieren hat beim Verein “Euro-pas” nicht oberste Priorität. Die Tierschützerinnen, die sich dem projekt „Belgrad” verschrieben haben, wollen in erster Linie die Situation der Tiere vor Ort verbessern: Kastrationsaktionen sollen das Problem an der Wurzel packen.
no/Münchner Merkur
Der Verein “Euro-pas”
“Pas” bedeutet auf Serbisch “Hund” und steht hier auch für “Protection of Animals in Serbia”. Auf französisch bedeutet “pas” “Schritt”, und mit “Euro- P.A.S.” soll den Tierschutz in Serbien “einen Schritt näher” an die europäischen Verhältnisse gebracht werden. In Serbien ist das Wort “Tierschutz” noch nahezu unbekannt.
Claudia Jeyti´c und ihr Team kooperierenzeitweise mit der serbischen Tierschutzorganisation A.R.C. (Animal Rescue Center Belgrade) sowie mit diversen Organisationen aus dem benachbarten Österreich (v. a. mit der Tierhilfe Süden Austria). “Ein besonderer Dank geht auch an den Tierschutzverein Kissing e.V., ohne den wir das “Projekt” nie starten hätten können”, berichtet der Verein auf seiner Homepage. “Unser oberstes Ziel ist es, die Streunerpopulation in Belgrad dauerhaft durch Kastrationen einzudämmen, und die Bevölkerung in Sachen Tierschutz aufzuklären. Es ist ein verdammt harter und langer Weg, aber die Erfolge zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.






