Der Elchplan

Die Äsung von Elchen besteht vorwiegend aus Ästen und Blättern von Weichlaubhölzern wie beispielsweise Weide. Foto: Fiona Schönfeld
Auf die Ankunft von Braunbär Bruno vor knapp vier Jahren war der Freistaat ziemlich unvorbereitet. Nach dem Abschuss des Bären wurde ein Managementplan erstellt, der Umgang mit Bären in Bayern regelt. Darin werden Bären nach ihren Verhaltensweisen in verschiedene Kategorien eingeteilt. Auch der Abschuss ist als letzte Maßnahme im Plan vorgesehen. Weitere Themen des Bärenmanagementplans sind die Gestaltung des Monitorings, die Einrichtung des “Wildtierfonds”, Projekte der Öffentlichkeitsarbeit und die Verteilung von Zuständigkeiten sowie Verhaltensregeln bei Kontakt mit einem Bären.
Strategien zum Umgang mit wandernden Elchen dagegen hält die Bayerische Staatsregierung in einem „Elchplan“ fest. Immerhin werden in Ostbayern immer wieder Beobachtungen von frei umherziehenden Elchen gemeldet.
Aus der Broschüre „Elchplan für Bayern“ erfährt man Interesssantes, beispielsweise über die Ökologie des Tieres: Der Elch (Alces alces) ist der größte Vertreter der Familie der Hirsche (Cervidae). Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die gesamte Nordhalbkugel. In Europa ist Elchwild in Skandinavien (ohne Dänemark) beheimatet, außerdem im Baltikum, in der Ukraine, in Polen und lokal in der Tschechischen Republik. Mitteleuropäische Elchhirsche erreichen eine Schulterhöhe von etwa 2,30 Meter und überragen einen Rothirsch somit um mehr als einen halben Meter. Mit einem Durchschnittsgewicht von etwa 500 Kilogramm wiegen ausgewachsene Elche mehr als doppelt so viel wie Rotwild. Nur die Hirsche tragen ein Geweih, das in unseren Breiten meist als Stangengeweih ausgebildet ist. Elche sind in der Regel Einzelgänger. Nur das Alttier bildet mit seinem Nachwuchs einen kleinen Familienverband. Elchtiere können jedes Jahr reproduzieren. Meist wird nur ein Kalb geboren; die Hauptsetzzeit fällt in den Mai. In dieser Zeit werden die Jährlinge vom Alttier vertrieben und begeben sich auf die Suche nach eigenen Revieren. Bei diesen Wanderungen überqueren die unerfahrenen Jungtiere nicht selten Straßen. Während der Brunftzeit (Ende September/Anfang Oktober) sind die Hirsche wesentlich aggressiver und unvorsichtiger als gewöhnlich. In diesen Wochen steigt das Risiko für Verkehrsunfälle. In der Regel sind mitteleuropäische Elche eher standorttreu und begeben sich erst auf Wanderungen, wenn sie die Suche nach neuen Lebensräumen antreten. Elchwild ist sehr ausdauernd und kann in relativ kurzer Zeit weite Strecken überwinden. Im Durchschnitt werden täglich 10 bis 15 Kilometer zurückgelegt. Es gibt kaum natürliche Hindernisse, die einen wandernden Elch stoppen können. Da die Tiere problemlos mehrere Kilometer weit schwimmen können und an die Durchquerung sumpfigen Geländes angepasst sind, stellen auch Flüsse und Gewässer keine Barriere dar. Sein hohes Reproduktionspotential, seine frühe Geschlechtsreife und seine große Anpassungsfähigkeit befähigen den Elch in neu besiedelten Gebieten in verhältnismäßig kurzer Zeit eine Population aufzubauen.
Elche können generell aus diversen Gründen die Sicherheit des Straßenverkehrs gefährden: Sie legen kein überstürztes Fluchtverhalten an den Tag, selbst wenn sie mit unbekannten Objekten konfrontiert werden. Diese Wildart besitzt außer Wölfen und Bären nahezu keine natürlichen Feinde. Typischerweise verharren die Tiere deshalb zunächst an Ort und Stelle und beobachten die Situation, bevor sie sich zum Gehen entschließen. Auch aus diesem Grund erfolgen „Elchtests“ für Fahrzeuge, vor denen Elche nicht augenblicklich fliehen. Nur Elche, die in Gebieten mit hohem Verkehrsaufkommen leben, zeigen inzwischen eine gewisse Scheu vor Fahrzeugen bzw. reagieren schneller auf herannahende Pkws. In Bayern hat sich bislang kein schwerer Verkehrsunfall mit Elchen ereignet. Zwischen Februar und August 2007 mussten drei Elche nach einer Kollision mit einem Fahrzeug getötet werden. Menschen wurden bei diesen Unfällen nicht verletzt.
Elche werden wie andere große Tierarten auch nach sicherheitsrelevanten Aspekten behandelt. Örtlich auftretende Probleme der Sicherheit werden situationsbedingt von den Sicherheitsbehörden bzw. der Polizei gelöst. Dies gilt insbesondere für Fragen der Verkehrssicherheit, z. B. die Entscheidung über erforderliche Maßnahmen beim Sichten eines Elchs auf einer Bundesautobahn.
Für Begegnungen mit Elchen bei Spaziergängen gelten die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie beim Zusammentreffen mit anderen großen Wildarten z. B. Rotwild oder Schwarzwild. Grundsätzlich sind Elche relativ friedlich. Sie fliehen normalerweise, wenn sie sich durch die Nähe des Menschen bedroht fühlen. Dennoch können Situationen auftreten, in denen der Elch plötzlich aggressiv reagiert, beispielsweise wenn ein Elchtier seine Kälber bedroht sieht. Daher sollte bei der Begegnung mit einem Elch gebührender Abstand gehalten werden. Hunde sollten angeleint werden. Einem verletzten Elch sollte man sich keinesfalls nähern.
Quelle: Elchplan für Bayern






