Abschuss aus Beuteneid?
Große Sorgen plagen Menschen, deren Katze plötzlich verschwindet. Was passiert mit diesen Tieren? Es ist gerade diese Ungewissheit, die Frauchen und Herrchen fast zur Verzweiflung treibt. Ist der Stubentiger von einem Auto überfahren worden? Landet die Katze im Labor und wird für Tierversuche benutzt? Wird sie zur Rheumadecke oder anderem Pelzutensil verarbeitet? Hat der Fuchs sie geholt? Oder hat sie der Jäger abgeschossen?
Gerade der letzte Punkt - der Abschuss der Vierbeiner - birgt eine hohe Dunkelziffer. Da es keine genauen bundesweiten Erhebungen gibt, wie viele Katzen von Jägern erschossen werden, gibt es keine offiziellen Zahlen darüber, wie die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland auf ihrer Homepage mitteilt. Es gibt keine bundesweite Meldepflicht über abgeschossene Katzen. Dort wo es sie gibt, wird nicht kontrolliert, ob die Jäger auch alle Abschüsse melden.
Schätzungsweise werden jährlich etwa 400.000 Katzen von Jägern erschossen. Das Bundesland Nordrhein Westfalen meldete in einem Jagdjahr 17.895 getötete Katzen, allerdings sei davon auszugehen, dass nicht alle Jäger ihre Abschüsse melden, so die PETA.
Warum schießen Jäger auf Katzen? Anscheinend haben Jäger Angst, Katzen könnten jagdbares Wild reißen und dadurch die Strecke der Jäger um einige Wildtiere schmälern. Es scheint hier der Beuteneid vorzuherrschen, denn was die Katze tötet kann der Jäger nicht mehr abschießen. Auch wird immer wieder behauptet, man müsse wildernde Katzen töten, um den Bestand der Singvögel zu retten. Seltene Singvögel leben hauptsächlich in Gärten und Parks. Bisher belegt keine wissenschaftliche Untersuchung den negativen Einfluss von streunenden Katzen auf Singvögel.
Eine Katze gilt bereits dann als wildernd, wenn sie je nach Bundesland 200 oder 300 Meter vom nächsten Haus entfernt ist. Ob sie tatsächlich einem Wild nachjagt, ist dabei völlig egal. Wildernde Hauskatzen gefährden den Bestand an Niederwild, argumentieren Jäger.Weil sie auch kleine Hasen, Fasane oder Rebhühner reißen, wird den Jägern im bayerischen Jagdgesetz nicht nur die Erlaubnis, sondern sogar der Auftrag gegeben, auf wildernde Katzen (und Hunde) zu schießen - unter der Voraussetzung, dass sie sich in mehr als 300 Meter Entfernung vom nächsten bewohnten Gebäude befinden. Ein Auszug aus dem bayerischen Jagdgesetz: „Der Jagdschutz umfasst auch den Schutz des Wildes [...] vor aufsichtslosen Hunden und Katzen. [Jäger] sind befugt wildernde Hunde und Katzen zu töten. Hunde gelten als wildernd, wenn sie im Jagdrevier erkennbar dem Wild nachstellen und dieses gefährden können. Katzen gelten als wildernd, wenn sie im Jagdrevier bei einer Entfernung von mehr als 300 Metern vom nächsten bewohnten Gebäude angetroffen werden.”
Da das Töten von Katzen durch Jäger in der breiten Bevölkerung auf Ablehnung stößt, teilen die Jäger in der Regel auch nicht mit, ob, wann und wo sie eine Katze erschossen haben, so PETA Deutschland. Stattdessen lassen sie die toten Tiere verschwinden. Ein legales Verschwinden lassen wäre beispielsweise, das Tier 50 Zentimeter tief zu vergraben oder in der Tierkörperbeseitigungsanstalt abzugeben. Stattdessen wird das Tier am Straßenrand „entsorgt” - “oder vielleicht wird auch nochmals mit dem Auto darübergefahren, um so einen Tod durch Überfahren vorzutäuschen”, behauptet die PETA. Manche Jäger geben die Katze einem Falkner, der das Tier spurlos verschwinden lässt.
Beim Jagen von Katzen und Hunden geht es den Jägern nicht um Wild-, Arten-, Umwelt- oder Tierschutz, sondern rein um den Schutz der Jagd. Dies zeigt schon die Tatsache, dass das Töten von Haustieren im Bundesjagdgesetz unter „Jagdschutz” aufgeführt ist.
Die Organisation PETA rät:
“Lassen Sie Ihr Haustier niemals unbeaufsichtigt herumstreunen.
Melden Sie uns, dem örtlichen Tierschutzverein und der Presse umgehend, wenn Sie Fallen im Wald gefunden haben oder Ihr Tier in einer Falle gefangen oder vom Jäger ab- bzw. angeschossen wurde.
Informieren Sie Freunde, Verwandte und andere Haustierbesitzer über die Gefahren in Feld, Wald und Flur.”
Quelle: PETA Deutschland






