Ein eigenes Pferd?
Ein eigenes Pferd bedeutet ein hohes Maß an Verantwortung, Zeitaufwand und Kosten. Das Wissen über artgerechte Haltung, Pflege und Verhalten des Pferdes, eine fundierte reiterliche Ausbildung sowie Erfahrung im Umgang mit Pferden sind Voraussetzung dafür, um ein Pferd zu halten. Um dem Pferd eine artgerechte Haltung zu garantieren, muss ein geeigneter Stellplatz vorhanden sein.
Der künftige Pferdebesitzer muss sich darüber bewusst sein, dass er je nach Haltung seines Pferdes ausreichend Zeit investieren muss, um das Pferd zu bewegen und zu pflegen – auch wenn das Pferd krank wird und der Zeitaufwand möglicherweise steigt.
Auch über die Kosten – egal ob das Pferd geschenkt war oder 100.000 Euro gekostet hat - sollte man sich im Vorfeld klar sein: Die monatliche Stallmiete, alle sechs bis acht Wochen der Hufschmied, Zusatzfutter, Tierarzt (Impfungen, Wurmkuren, Zähneraspeln) und Versicherung schlagen regelmäßig zu Buche. Hinzu kommen Pflege- und Reitbedarf sowie der Reitunterricht, dem sich jeder, der sein Pferd regelmäßig reitet, unterziehen sollte. Schnell schleichen sich Fehler beim Reiten ein, die dem Pferd schaden können. Für unvorhersehbare Fälle sollte der Pferdebesitzer außerdem über eine finanzielle Reserve verfügen. Eine Operation mit Klinikaufenthalt kann einige tausend Euro kosten.
Gerade Kinder, die sich sehnlich ein Pferd wünschen, können bei einem Pflegepferd oder Reitbeteiligung ihr Verantwortungsbewusstsein und ihre Zuverlässigkeit unter Beweis stellen. Die Kinder und Jugendlichen können so Erfahrungen rund um Pferde machen, die Kosten sind jedoch wesentlich geringer. Pflegepferde werden in fast allen Reitschulen „vergeben“, und in privaten Ställen gibt es genügend Pferdebesitzer, die froh über Unterstützung von jungen Pferdefreunden sind. Hier gibt es auch Kontakte zu Fachleuten wie Reitlehrer, die dann auch beim Pferdekauf beraten.
Der Pferdekauf
Die Suche nach dem geeigneten Pferd wird im Vorfeld eingeschränkt durch folgende Kriterien: Rasse, Alter, Größe, Geschlecht, Ausbildungsart und Ausbildungsstand.
Ist man sich darüber im Klaren, kann die Suche beginnen.
Niemals ohne Fachmann
Weil in Sachen Pferdehandel oft getrickst und betrogen wird, ist es wichtig, einen Fachmann seines Vertrauens oder eine neutrale Person mit Fachwissen zu Seite zu haben. Denn der Experte – am besten der eigene Reitlehrer oder ein Bereiter – kann beurteilen, ob Pferd und Reiter zusammenpassen. Möglicherweise kommt er in vielen Ställen herum, erfährt, wo und weshalb Pferde zum Verkauf stehen und kann so vermitteln.
Andernfalls gibt es die Möglichkeit, über Anzeigen in Zeitung, Internet oder Fachzeitschriften an Züchter, Verkäufer oder Händler gelangen.
Vorab ist es sinnvoll, einige Fragen zu klären:
Warum steht das Pferd zum Verkauf?
Herkunft des Pferdes
Ausbildungsstand & Eignung des Tieres
Krankheiten
Abstammung bzw. Papiere
Wenn das Pferd häufig die Besitzer gewechselt hat, sollte man hellhörig werden und die Gründe dafür hinterfragen.
Vor Ort im Verkaufsstall oder beim Händler macht sich der Kaufinteressent ein Bild vom Hof oder Betrieb. Wie der Stall aussieht und wie die Pferde untergebracht sind, lässt oftmals auf die Geschäftswürdigkeit des Verkäufers schließen.
Kommt ein Pferd in die enge Auswahl, muss es gestattet sein, dem Tier mindestens zwei, besser mehrere Besuche über mehrere Wochen hinweg abzustatten. Dabei lernt der zukünftige Besitzer das Pferd kennen, putzt es, führt es und reitet es sowohl in der Halle als auch im Gelände. Stimmt die Chemie zwischen Reiter und Pferd, gibt der Reitlehrer/Fachmann sein OK, muss ein letzter wichtiger Schritt erfolgen: der Gesundheitscheck.
TÜV
Die Ankaufsuntersuchung, die je nach Umfang zwischen 200 und 1000 Euro kostet, nimmt ein Tierarzt nach Wahl vor. Zur Standarduntersuchung, auch „Kleiner TÜV“ genannt, gehören eine Untersuchung des Allgemeinzustands mit Abhören von Herz und Lunge, Kontrolle von Haut und Fell sowie das Feststellen von Temperatur, Puls und Atemfrequenz. Außerdem wird das Pferd untersucht. Der Tierarzt kontrolliert Nervensystem, Augen, Atmungssystem, Herz, Maul und Kot. Die Beine und der Rücken des Pferdes werden abgetastet. Zusätzlich muss das Pferd auf gerader Strecke und in einer engen Wendung vorgetrabt und einer Beugeprobe unterzogen werden, um zu sehen, ob das Pferd schmerzfrei läuft. Auch nach Belastung sollte das Pferd untersucht werden. Husten, Ausfluss, Atemgeräusche und Lahmheiten kommen ins Protokoll. Kennt man den Verkäufer und das Pferd nicht, ist es sinnvoll auch eine Blutprobe nehmen zu lassen und diese auf Schmerzmittel und andere Medikamente hin untersuchen zu lassen.
Beim so genannten „Großen TÜV“ kommen noch Röntgenbilder hinzu. Üblich sind Aufnahmen von den Beinen. Auf Wunsch werden selbstverständlich weitere Bilder, z. B. vom Rücken, gemacht. Das kann sinnvoll sein, wenn das Pferd empfindlich im Rücken ist. Hier sollte man auf die Empfehlung seines Tierarztes achten. Beim Röntgen können Spat, Hufrolle-Veränderungen und Chips, im Rückenbereich eine Neigung zu so genannten Kissing Spines, erkannt werden. Die Befunde der Röntgenbilder werden in vier Klassen eingeteilt.
Allerdings gibt es kaum ein Pferd ohne Befund. Hier gilt es abzuwägen. Was „gesund“ bedeutet, hängt vom Einsatzzweck des Pferdes ab. Ein junges Pferd für den großen Sport sollte sicherlich keine Hufrollen-Veränderungen aufweisen, allerdings kann man für ein Freizeitpferd durchaus kleine Befunde in Kauf nehmen. Auch hier ist der Rat eines Fachmanns und des Tierarztes viel wert.
Vertrag
Pferde per Handschlag zu kaufen – das war früher üblich und ist heute noch eine gültige Form des Kaufvertrages. Doch in Zeiten des neuen EU-Kaufrechts ist das ungeschickt. Ein detaillierter Kaufvertrag bietet rechtliche Sicherheit. In einem solchen Vertrag sollte auf jeden Fall stehen, um welches Pferd es geht. Dabei sollten Aussehen, Alter und Abstammung sowie die Lebensnummer mit im Vertrag aufgeführt sein. Auch der Gesundheitszustand des Pferdes, mit Verweis auf die Ankaufsuntersuchung, ist im Vertrag festgehalten.






