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Das stille Leid der Ausgesetzten

Woran sollte man sich von der endlosen Verstellung, Falschheit und Heimtücke der Menschen erholen,
wenn die Hunde nicht wären,
in deren ehrliches Gesicht man ohne Misstrauen schauen kann!

[Schopenhauer]

Es ist wieder so weit, es ist Ferienzeit. Die Temperaturen erreichen 30 Grad und das Wasser Badetemperaturen. Auch dieses Jahr werden sich wieder Millionen von Autos in Gang setzen, um ihre Besitzer an die entlegensten Strände und exotischsten Länder zu bringen. Ein Flieger nach dem anderen wird tausende von Urlaubern in der Touristenklasse verfrachten. Aber es ist auch wieder die Zeit des Jahres gekommen, in der einst geliebte Haustiere von ihren herzlosen Besitzern „entsorgt" werden.
Etwa 70.000 Tiere, die meisten davon Hunde und Katzen, werden auch dieses Jahr wegen der Urlaubsplanung ihrer Besitzer im Tierheim landen. Und dann dürfen sie noch dankbar sein!
Ein Großteil der Tiere wird achtlos auf Raststätten angebunden, im Wald ausgesetzt, in der Mülltonne entsorgt oder vom eigenen Besitzer vergiftet. Die Liste der Methoden, sich des störenden Haustieres zu entledigen, ist schier unendlich.

 

Tierheime hoffnungslos überfüllt

Jedes Jahr kurz vor der großen Ferienzeit verzeichnen die Tierheime einen massiven Ansturm. Oft sind die Heime bereits vor der Hauptsaison hoffnungslos überbelegt. Die Ausreden für die Abgabe sind ebenso „kreativ" wie die Methodik des Entledigens. Oft werden Allergien, urplötzliche Bissigkeit oder aber Arbeitsplatzverlust vorgetäuscht, nur um das Tier abgeben zu können. Zum Teil werden die Tiere auch einfach über Nacht in einem Karton abgestellt. Dem verantwortungsbewussten Tierliebhaber sträubt es das Nackenfell, wenn man sich diese Fakten vor Augen führt.
Es wäre doch für die meisten Tierbesitzer einfach unvorstellbar, sich von den bepelzten Partnern trennen zu müssen. Erst recht nicht, um im Gegenzug entspannt die Sonne zu genießen. Während der eigene Hund auf der Suche nach dem Herrchen den Autobahnrastplatz absucht. Mit leeren Augen und knurrendem Magen ziellos durch den Wald irrt. Oder die Nähe zu seiner geliebten Familie im Tierheim vermisst.
Meistens ist es mangelnde Voraussicht und Nachlässigkeit, die so viele Tiere leiden lässt. Da plant der Tierbesitzer teils Monate im Voraus die schönste Zeit des Jahres. Wälzt Kataloge, schaut Reisedokumentationen und macht sich mit den Gegebenheiten seines Urlaubslandes vertraut. Dass er für seinen Vierbeiner jedoch eine Urlaubsvertretung braucht, oder den Urlaub mit dem Tier planen müsste, gerät dabei in Vergessenheit. Oftmals wird dieses "lästige" Problem erst kurz vor Reiseantritt bewusst. Die Zeit, die für eine Unterbringungssuche nötig gewesen wäre, ist verstrichen. Infolge dessen greifen manche Tierhalter zu radikalen Massnahmen. Viele würden verständnislos mit dem Kopf schütteln. Aber leider gibt es Tierbesitzer, die keine so enge Beziehung zu ihrem Tier haben.

 

Urlaub mit demVierbeiner

Mal abgesehen davon, dass das Aussetzen eines Tieres eine Straftat darstellt, ist es ethisch und moralisch wohl kaum vertretbar. Zumal es heutzutage genügend Alternativen gibt. Die Ideallösung ist natürlich, den Urlaub zusammen mit dem geliebten Vierbeiner zu planen. In Bungalows, Ferienhäusern oder auf Zeltplätzen ist es meist recht unproblematisch, sein Tier mit unterzubringen. Es gibt Reiseanbieter, die führen extra Kataloge für einen tierfreundlichen Urlaub. Sollte die Anreisezeit zum heiß ersehnten Urlaubsort zu lange dauern oder für das Tier nur unter Strapazen möglich sein, so bleibt die Möglichkeit der Urlaubsvertretung. Dies kann bei Freunden und Verwandten oder in einer geeigneten Pension geschehen. Die Tierschutzvereine des Deutschen Tierschutzbundes führen seit 14 Jahren die Aktion „Nimmst du mein Tier, nehm ich dein Tier" durch. Dabei wird eine private Unterbringung vermittelt. Im Gegenzug nimmt der Tierhalter dafür das Tier des anderen in dessen Abwesenheit. Der Vorteil liegt hier natürlich klar in der Kostenbilanzierung. Außerdem bieten Züchtervereine, örtliche Tierheime oder spezialisierte Hundeschulen eine Unterbringung an.
Es gibt also keine Ausrede für die massenweise Aussetzung von Haustieren. Wer die Verantwortung für ein Tier übernimmt, sich dessen Schutz und Achtung verpflichtet, wird kein Tier derartigen Qualen und Torturen aussetzen wollen. Es sollte in der Natur der Tierliebe liegen, das Wohl des Tieres und dessen Bedürfnisse vor solch minderen Beweggründen zu schützen.

Silvio Fuchs, 2008

 

 

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